CHEMISCHES AUS DEM „PAPYRUS EBERS"
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mittel des Papyrus Ebers darstellt, dem chemischen Verständ-nisse aber ganz besondere Schwierigkeiten bietet, so habe ichdieserhalb bei Herrn Dr. von Oefele angefragt. Seiner freund-lichen Antwort vom 10. April 1908, für die ich auch an dieserStelle bestens danke, ist folgendes zu entnehmen: „Wo Joachimund Lieblein ,grüne Bleierde' schreiben, steht im Originalnur ein Wort, dessen Konsonantengerüst h-n-t-j lautet, unddas weder Grün noch Bleierde bedeutet, sondern wörtlich,etwas zur vorderen Gesichtshälfte oder zur Nase in BeziehungStehendes', etwas ,Nasiges'; nach einer Angabe Dümichens 1beschreibt ein die Einbalsamierung behandelnder Papyrusdieses Präparat als eine grüne Erdfarbe, weshalb vermutlichobengenannte Übersetzer die grüne Farbe, als die einzige ge-sicherte Eigenschaft der Substanz, hervorheben wollten."
Diese grüne Erdfarbe, deren von Oefele gedenkt, war offen-bar das schon erwähnte „Kupfergrün", d. i. erdiger Malachit,der insofern zur Nase und zum Gesicht in Beziehung steht,als die Ägypter der ältesten Zeit sich grüne Streifen und Ringeum die Augen zu. malen pflegten, — welche Sitte später füraltvaterisch und barbarisch galt, 2 und darauf zurückzuführenist, daß Malachit, sowie andere Schminken aus Metallpräparaten,den Völkern, die die Küsten des roten Meeres bewohnten, seitjeher zur präservativen Behandlung der dort endemischenAugenkrankheiten (namentlich solcher der Bindehaut) dienten; 3grüne Augenschminke enthalten nach Ed. Meyer 4 schon ge-wisse, mit Schnitzereien, Reliefbildern, und primitiven hiero-glyphischen Schriftzeichen bedeckte Schminksteine aus demfünften vorchristlichen Jahrtausende, auch führt solche einsehr altes Ritualbuch an 5 ; ferner stellte man die Göttin Hathormit grün bemaltem Antlitze dar, 6 vielleicht weil sie eine Lokal-
1 Des berühmten Ägyptologen, dessen Schüler auch der eingangs genannte
Lüring war. 2 Loret, a. a. O., S. 195; Stern „Ägyptische Kultur-
geschichte", Leipzig 1896, S. 203. 8 v. Oefele bei Puschmann, Bd. 1, S. 63,
65, 76. * M. M. N., Bd. 7, S. 395. 6 Brugsch, S. 154. 6 ebd. S. 398.