Einleitung.
mit voller Sicherheit oder doch mit grosser Wahrscheinlichkeit zu be-stimmen.
Gleich grosser Ruhm wie als Botaniker gebührt Dioskurides alsPharmakologen. Sowohl bei den selbst bereiteten Präparaten als auchbei den vom Auslande bezogenen Drogen, welche wegen ihrer Kostbar-keit und des hohen Preises Verfälschungen und Nachahmungen ausge-setzt waren, folgt nach der Beschreibung die Prüfung auf Aechtheit undGüte, und die Unterscheidung der besseren und schlechteren Sorte, wo-bei aber stets die Anwendung der besseren empfohlen wird. Die Dar-stellung der Präparate, der zusammengesetzten Mittel zum innerlichenwie äusserlichen Gebrauche, geschieht mit sorgfältiger Angabe der Ge-wichte, mit peinlich genauer Bezeichnung des Verfahrens und Beschrei-bung der anzuwendenden Apparate, so dass wir Dioskurides als einen mittüchtiger Sachkenntniss ausgerüsteten Praktiker ansehen müssen.
Die Wirkung der Arzneimittel äussert sich bei ihm unter dem Ein-flüsse der vier Elementarqualitäten, des Kalten, Warmen, Feuchten undTrockenen, aber die von Galen später philosophisch-speculativ durch-geführte Wirkungsintensität nach Graden oder Stufen kennt er nicht.
Bei den giftigen und stark wirkenden Mitteln ist er besonders vor-sichtig in der Dosirung, es wird die Art und Weise, wie die Wirkungsich äussert, beschrieben und gleichzeitig das geeignete Gegenmittel undHeilverfahren empfohlen. Wie früher bemerkt, hatte sich Dioskurideskeiner der aus Alexandrien hervorgegangenen medicinischen Schulen, anderen Spitze Herophilos und Erasistratos standen, angeschlossen. DieKrankheiten sind, ähnlich wie bei den Hippokratikern, nur in der Minder-zahl mit bestimmten Namen bezeichnet.
Ein hervorragender Zug in der ganzen Arzneimittellehre unseresSchriftstellers ist, dass er sich frei hält oder wenigstens frei zu haltensucht von allen abergläubischen und abgeschmackten Dingen, wo er denGebrauch von Drogen zu Amuletten u. dgl. anführt, setzt er, um dieVerantwortung von sich abzuweisen, hinzu: „Es wird erzählt", oder:„Einige behaupten".
Einige Worte über die Synonyma. Sie werden meist in Register-iorm angeführt und theils ganzen Völkern, theils einzelnen Personen zu-geschrieben; zu ersteren gehören die Aegypter, Afrikaner, Arme-nier, Athener, Barbaren (gemeint sind die Küstenbewohner des RothenMeeres), Besser, Böotier, Dakier, Dardaner, Euböer, Galater, Gallier,Italer, Kappadoker, Kilikier, Kyprier, Leukanier, Mysier, Ponter,Römer, Sikuler, Spanier, Syrier, Thusker, zu den letzteren Andreas,Krateuas, Osthanes, die Propheten mit ihren Geheimnamen, Pytha-goras, Zoroaster. Die Frage, ob die Synonyma sämmtlich oder auch nurzum Theil von Dioskurides herrühren — dass er sie auf seinen Reisen