Druckschrift 
Des Pedanias Dioscuvides Arzneimittellehre in 5 Büchern
Entstehung
Seite
4
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

4

Einleitung.

Blätter, sie werden nur durch Vergleichung mit den Blättern anderer be-kannter Pflanzen angedeutet. Bei der Blüthe müssen wir uns mit derAngabe der Farbe begnügen, selten wird eine besondere Eigenschaft derKronenblätter, vielleicht Grösse, Form oder dergleichen angeführt. Das-selbe ist bei den Früchten und Samen der Fall, oft erfahren wir nurihre Farbe. Trotzdem hat Dioskurides es verstanden, einige Pflanzen sogenau zu beschreiben, dass sie sich ohne jede Mühe erkennen lassen, beider Mehrzahl muss die medicinische Anwendung, der Standort, das Vor-kommen überhaupt sowie die Tradition und die jetzige Benennung zuHülfe genommen werden. Man kann wohl annehmen, dass in dem Zeit-raum von 2000 Jahren manche Pflanze im Kampf ums Dasein, wie schonTheophrast dieses (De caus. V 15. 4 sqq.) angibt, und bei Ausrottung derWälder zu Grunde gegangen oder bei fortschreitender Cultur verändertist, dennoch haben die unermüdlichen Forschungen einer Reihe um diePflanzenkunde verdienter Männer uns der Identiflcirung der Gewächse desDioskurides nahe gebracht.

Die nächsten Verdienste gebühren Oribasios, welcher im XI.,XII. und XIII. Buche seiner „Synagogai" die Arzneimittellehre des Dios-kurides wiedergegeben und interpretirt hat, ferner Serapion, welcherin seinem syrisch geschriebenen „Aggregator" die Geschichte der Heil-mittel aus Dioskurides und Galen bezieht, sodann dem Bischof Hermo-laus Barbarus zu Aquileja (Corrolaria ad Dioscoridem, Cöln 1530),weiterhin den Botanikern am Ende des Mittelalters, den sogen. Väternder Botanik, besonders Matthiolus (Comment. in Dioscor., 1558), JanusCornarius (1557), Clusius (1601), Ruellius (De nat. stirp., 1537),Leonli. Fuchs (Paradoxa inedicinae, Basel 1535). Nicht unerwähntbleiben dürfen Anguillara (Semplici dell' eccellente Luigi Anguil-lara etc. da M. G. Marinelli mandati in luce, Vinegia 1561), welcherbotanische Studienreisen durch Griechenland, Makedonien und Ulyriengemacht hat, Valerius Cordus, dessen Annotationes in Dioscoridemvon C. Gesner (Frankfurt 1561) herausgegeben sind, Fabius Columna(Ecphrasis stirp., Rom 1615) und der durch Gelehrsamkeit und in dergriechischen wie der arabischen Literatur gleich bewanderte Salmasius(Exercitationes Plinianae, adjunctis exercit. de homonym, hyles iatricae,1689), welche zumeist von Bauhin et Cherler (Universalis plantarumhistoria, 1650) fleissig citirt werden.

Nach diesen ist es den mühevollen Studien neuerer Reisender, wieu. a.Tournefort, Sibthorp (f 1796, Flora graeca), Koch (Reise durchden kaukasischen Isthmus, 1842—43, Wanderungen durch den Orient.1846—47), K. Sprengel, dem gründlichen Kenner der Flora der Alten,und Dr. med. C. Fr aas (Synopsis plant, florae classic., 1845), ge-lungen, den bei weitem grössten Theil der Dioskurides'schen Pflanzen