538 ROB. MAYER U. D. GESETZ V. D. ERHALTUNG DER KRAFT
Tag, das ist ganz gewiß, da diese Wahrheiten zum Gemein-gut der ganzen Wissenschaft werden."
Dabei war indessen Mayer weit entfernt von jeder Selbst-überschätzung: »Ich weiß wohl, daß ich kein Physiker bin.Soll ich aber den Schacht zuwerfen, bei dem Bewußtsein, daßGold daraus für meine Wissenschaft zu gewinnen ist?" Umseine Kenntnisse zu vervollkommnen, nahm er noch in dieserZeit bei seinem Freunde Baur regelmäßigen Unterricht inder Mechanik, Physik, und Infinitesimal-Rechnung, was um sohöher anzuschlagen ist, als er seit 1842 verheiratet, und alsStadtarzt in Heilbronn praktisch in höchst anstrengender Weisebeschäftigt war.
Eine weitere Entwicklung seiner Grundgedanken gabMayer in dem Aufsatze „Die organische Bewegung in ihremZusammenhange mit dem Stoffwechsel" (1845), und es ist be-merkenswert, daß er auch hier zuerst und in ausführlicherWeise das anorganische Gebiet zu behandeln trachtet. Fol-gendes sind etwa die Grundgedanken dieser Schrift:
Um eine ruhende Masse in Bewegung zu setzen, ist Kraft(Energie) nötig; ein Objekt, das, indem es aufgewendet wird,Bewegung hervorbringt, nennen wir Kraft, und es gibt nureine Kraft (Energie), die, ewig wechselnd, in der toten wie inder lebenden Natur kreist.
Die erste Stelle bei Betrachtung der Kräfte verdient dieBewegung; sie ist eine Kraft, d. h. imponderabel, wandelbar,aber der Größe nach konstant. Die Fallbewegung einer vorherruhenden Masse erfordert den Aufwand einer Kraft; auf dieFrage, welches diese Kraft sei, ist zu antworten: Die Erhebung(die Energie der Lage, die potentielle Energie, oder Fallkraft).
Auch die Wärme ist eine Kraft. Sie läßt sich in mecha-nischen Effekt verwandeln, und dies ist eine wirkliche Tat-sache, nicht aber eine sogenannte „Erklärung" dieser Ver-wandlung, über deren Wesen vielmehr hierdurch nichts aus-