ROB. MAYER U. D. GESETZ V. D. ERHALTUNG DER KRAFT 539
gesagt sein soll und kann. Als Beispiele für die Verwandlungvon Wärme in mechanische Leistung läßt sich anführen, daßKohlen, unter dem Kessel verbrennend, weniger Wärme freigeben, wenn die Maschine arbeitet, daß Geschütze beim blindenFeuern heißer werden als wenn sie geladen sind, und daßOase, die sich unter Überwindung von Druck ausdehnen, alsowährend der Ausdehnung Arbeit leisten, Wärme verlieren undsich abkühlen, während die Ausdehnung der Oase an und fürsich, z. B. beim Überströmen in einen luftleeren, also wider-standslosen Raum, keinen Wärmeaufwand erfordert, wie Gay-Lussac schon 1807 gezeigt hat. — Es verdient bemerkt zuwerden, daß bereits bei dieser Gelegenheit Mayer die Ansichtaussprach, keine gegebene Wärmemenge lasse sich als Ganzes,d. h. vollständig, in Bewegung umsetzen; es ist dies ein höchstwichtiger Satz, dessen mathematische Darlegung und wissen-schaftliche Ausgestaltung zu den größten Verdiensten des be-rühmten Wärmetheoretikers Clausius gezählt wird.
Keine „Kraft" ist die Schwere, vor allem keine konstante,gleichmäßig beschleunigende Kraft, wie das ausnahmslos diedamaligen physikalischen Werke und Schulbücher lehrten (undzum Teil noch heute lehren). Die Totalwirkung einer kon-stanten Kraft müßte nämlich notwendigerweise eine unend-liche Bewegungsgröße sein, beziehungsweise die unendlicheGeschwindigkeit eines aus unbegrenzter Entfernung auf dieErde fallenden Körpers. Diese letztere Geschwindigkeit hataber in Wirklichkeit einen endlichen, maximalen Wert, derallein durch die Massen der Erde und des betreffenden Körpersbedingt ist. Auf Grund des Newtonschen Gravitationsgesetzesist dieser Wert, wie Mayer zuerst nachwies, berechenbar, undzwar findet man, daß ein aus unbegrenzter Entfernung aufdie Erde herabstürzender Körper eine maximale Geschwindig-keit von etwa 12000 m in der Sekunde erreicht, diese abernicht überschreiten kann. Beim Falle einer Masse von z. B.1 g mit solcher Geschwindigkeit würde eine Arbeit geleistet,