ROB. MAYER U. D. GESETZ V D. ERHALTUNG DER KRAFT 537
„Annalen", konnte einer raschen Verbreitung in den Kreisender Physiker wenig dienlich sein. Ferner zeigten diese sichder von Mayer gewählten Ableitung seiner Lehre aus allge-meinen Prinzipien, — in Erinnerung an die Mißerfolge dernaturphilosophischen Epoche —, nicht wohl gesinnt, und be-trachteten alles, was nur entfernt an metaphysische Spekulationerinnerte, mit größtem Mißtrauen. Endlich aber hatte Mayerauch versäumt, die Endergebnisse seiner Arbeit deutlich undklar, für jedermann faßbar, am Schlüsse nochmals hervorzuheben;er hatte damit gegen ein Oesetz verstoßen, das am treffendstender bekannte Wiener Komiker Nestroy in den Worten zu-sammenfaßte: »Wer mit etwas auf die Menge wirken will, dermuß sie physisch beim Genick packen und moralisch mit derNase darauf stoßen«, — ein Gesetz, das durchaus richtig ist,und in wissenschaftlicher Hinsicht nicht weniger als in künst-lerischer gilt.
Angesichts dieser Umstände kann es nicht Wunder nehmen,daß Mayers Arbeit zunächst gar keine Beachtung, ja in denFachzeitschriften der Physiker nicht einmal eine Rezensionfand; eine solche wurde ihr erst 1845 in einem Buche desKieler Professors Pfaff, jedoch in höchst konfuser und imwesentlichen ablehnender Weise zuteil, für die aber Mayerimmerhin dem Autor seinen Dank sagte, da er sich dochmindestens mit seinem Ideenkreise ernstlich beschäftigt habe.
Mayer selbst war sich, wie der Briefwechsel von 1843 44mit seinen Freunden Baur, Rümelin, Griesinger und Anderenzeigt, der Tragweite seiner Gedanken völlig bewußt: „Es gibtin Wahrheit nur eine einzige Kraft (Energie); in ewigem Wechselkreist sie in der toten wie in der lebenden Natur; die Energiein ihren verschiedenen Formen kennen zu lernen, die Be-dingungen ihrer Metamorphosen zu erforschen, dies ist dieeinzige Aufgabe der Physik". „Wahrlich, ich sage euch, eineeinzige Zahl hat mehr wahren und bleibenden Wert als einekostbare Bibliothek voll Hypothesen." „Kommen wird der