ROB. MAYER U. D. GESETZ V. D. ERHALTUNG DER KRAFT 533
hobene Last als eine Form der Energie oder, wie er sich aus-drückte, als eine Kraft zu betrachten, ist einer der kühnsten,originellsten und weittragendsten Gedanken Mayers.
Sehr häufig sehen wir eine Bewegung aufhören, ohne daßsie eine andere Bewegung oder eine Qewichtserhebung erzeugthätte. Indem Mayer die Frage erwog, was in diesem Falleaus der Bewegung werde, erinnerte er sich der schon seit fast50 Jahren bekannten Erscheinung, daß Reibung Wärme zu er-zeugen vermöge. 1798 bereits hatte Rumford in Münchenbeobachtet, daß beim Ausbohren der Kanonen durch dieReibung des Bohrers eine gewaltige Wärmemenge entwickeltwerde, die binnen gewisser Zeit sogar hinreiche, um in dieSeele des Geschützes gefülltes Wasser bis zum Sieden zu er-hitzen. Ferner hatte 1799 der englische Physiker Davy ge-zeigt, daß Eisstücke durch bloßes Aneinanderreihen im luftleerenRäume teilweise geschmolzen werden können. Auch Mayerselbst hatte beobachtet, daß bewegtes Wasser wärmer sei alsruhiges, daß kaltes Wasser durch Schütteln erwärmt werde,und daß z. B. die Temperatur des Papierbreies in den „Hol-länder" genannten Rührapparaten der Papierfabrikation, nachlängerem Gange des Rührwerkes erheblich zu steigen pflege.Er schloß hieraus unmittelbar, daß ganz allgemein Wärme inBewegung und diese in Wärme überführbar sei. So wie derChemiker, lehrt Mayer, nicht vorgibt, daß auf der einen SeiteWasserstoff und Sauerstoff verschwunden und auf der anderenauf unerklärliche Weise Wasser zum Vorschein gekommen sei,sondern vielmehr behauptet, Wasserstoff und Sauerstoff seienin Wasser übergegangen, ganz ebenso ist anzunehmen, daßnicht Bewegung verschwinde und Wärme zum Vorscheinkomme (oder umgekehrt, wie z. B. in der Dampfmaschine),sondern daß die eine Form der Kraft oder Energie eben nurgesetzmäßig in eine andere übergehe.
Es läge nun nahe, hieraus zu schließen, daß das Wesender Wärme Bewegung sei, und in der Tat ist diese Folgerung