532 HOB. MAYER U. D. GESETZ V D. ERHALTUNG DER KRAFT
Mayer geht in diesem Aufsatze zunächst von den Grund-sätzen aus: causa aequat effectum (die Ursache ist gleichwertigder Wirkung), ex nihilo nihil fit (aus nichts wird nichts), undnihil fit ad nihilum (keine Sache kann zu nichts werden). So-wohl die Erfahrung als auch die Denkgesetze zeigen nun, daßebenso wie die Materie auch die Kraft oder Energie unzerstör-lich ist, während sie sich, — im Gegensatze zur Materie, — alswandelbar und imponderabel erweist. Die Kraft bringt, alsUrsache, eine ihr gleiche Wirkung hervor, hat aber, sobalddiese hervorgebracht ist, hiermit auch aufgehört selbst zu sein,d. h. die Ursache ist ganz und völlig in eine ihr gleichwertigeWirkung übergegangen. Dieser Anschauung widerstreitet nament-lich die hergebrachte Definition der Schwere, gegen die sichdaher Mayer entschieden ausspricht. Die Schwere ist nachMayer keine Kraft, sondern eine Eigenschaft, und zwarjene, die die Beschleunigung des freien Falles bedingt. Wäredie Schwere eine Kraft im üblichen Sinne, so hätte sie offenbardie Fähigkeit zu wirken, ohne doch abzunehmen, d. h. es müßteBewegung ohne Aufwand einer Kraft fortdauernd neu erzeugtwerden können, aber auch umgekehrt eine gegebene Be-wegung häufig zu nichts werden, also verschwinden. Die an-dauernde Produktion von Bewegung ohne Kraftaufwand würdeaber nichts anderes bedeuten, als die Möglichkeit eines „Per-petuum mobile". Daß jedoch ein solches nicht existierenkönne, war in der Wissenschaft längst nicht mehr strittig: hattedoch die Pariser Akademie schon im Jahre 1775 beschlossen,Einsendungen, die die Erfindung des Perpetuum mobile be-träfen, fortan einer Prüfung nicht mehr zu unterziehen. Alsonicht die Schwere ist nach Mayer Ursache des Falles derKörper, sondern vielmehr die räumliche Differenz zwischeneinem über die Erde erhobenen Körper und der Erde selbst;also diese Erhebung über die Erde, sie ist die wahre „Kraft",die wir heute als „Energie der Lage" oder „potentielle Energie"bezeichnen, während sie Mayer „Fallkraft" benannte. Die ge-