528 ROß. MAYER U D. GESETZ V. D. ERHALTUNG DER KRAFT
Schule und Gymnasium war er ein mittelmäßiger, oft sogarein schlechter Schüler. Mit Vorliebe trieb er sich im Freien,und namentlich an den Ufern der kleinen Bäche herum, diein jener Gegend dem Neckar zufließen, und versuchte an diesenWasserrädchen aufzustellen, und mittels solcher ein Perpetuummobile zu konstruieren. Die Unmöglichkeit, dies zu erreichen,machte ihm schon in seinem Knabenalter, wie er später selbsterzählte, einen tiefen und für sein ganzes Leben vorhaltendenEindruck. 1832 begann Mayer in Tübingen Medizin zu stu-dieren und setzte dieses Studium bis 1837 fort; in diesem Jahregeriet er mit den Behörden der Universität wegen Zugehörig-keit zu einem verbotenen Korps in Konflikt, und es wurdezeitweiliger Arrest über ihn verhängt.
Dies versetzte Mayer in eine außerordentlich überreizteStimmung, die sich, wie manche behaupten wollten, beinaheeiner geistigen Störung näherte; solchen vorübergehenden Zu-fällen war er, wie wir sehen werden, auch im ferneren Verlaufeseines Lebens nicht selten unterworfen, wenn mißliche Er-eignisse ihn unerwarteterweise betrafen. Nachdem indes jeneUntersuchung ohne weitere Folgen niedergeschlagen war, pro-movierte Mayer 1838 auf eine Dissertation hin, die das San-tonin behandelte, jenen fünf Jahre vorher entdeckten Haupt-bestandteil des sogenannten Wurmsamens, dem Mayer aufGrund seiner Versuche eine große Zukunft in der Medizinvoraussagte, — und, wie die Folge gezeigt hat, mit Recht.1839 verweilte Mayer in Paris, das sich damals der hervor-ragendsten medizinischen Kliniken erfreute, und entschloß sich,noch im selben Jahre eine Stelle als Schiffsarzt in Holland an-zunehmen, um so die Welt kennen zu lernen, bevor er sich,wie das seine Absicht war, dauernd in seiner Geburtsstadt alspraktischer Arzt niederließe; er schiffte sich 1840 zu Rotterdamein, und zwar auf einem nach Batavia bestimmten Schiffe.Außer der Verpflegung erhielt er ein monatliches Honorar von50 holländischen Gulden oder ungefähr 85 Mark.