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[1] (1906)
Entstehung
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521
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GEDÄCHTNISREDE ZUM300JÄHR. GEBURTSTAGE DESCARTES' 521

Angesichts dieser Reihe keineswegs nebensächlicher Irrtümerund Fehlgriffe, drängt sich mit Nachdruck die Frage auf, woraufnun, trotz dieser, die eigentliche Bedeutung Descartes be-ruhe, denn das bloße Vorhandensein auch positiver mathe-matischer, physikalischer, und philosophischer Einzelleistungenkönnte kaum mehr in Aussicht stellen, als ein volles Aufwiegenaller jener Mängel. In der Tat darf auch die bleibende GrößeDescartes nicht darin gesucht werden, daß ihm solche Einzel-leistungen glückten, und wären sie auch noch so zahlreichund folgenschwer, bedingt wird sie vielmehr durch die Tiefeseiner Oesamtanschauung, durch das richtige Erfassen dergroßen Grundgedanken und fundamentalen Probleme.

So stellt sich als leitende Idee seiner ganzen Physik (imweitesten Sinne betrachtet) dar: Die Aufstellung einer einheit-lichen Welterklärung auf Grund der Überzeugung, daß allesGeschehen in der rein körperlichen Welt, einschließlich derorganischen, allein auf Ausdehnung und Bewegung beruht,demnach auch eine rein mechanische Ableitung zuläßt, undzwar mittels der mathematischen Gesetze, die, als untrüglicheeingeborene Ideen des Geistes, gleichzeitig auch die ganzeäußere Ordnung der Natur beherrschen. Alles solche Ge-schehen muß sich daher durch Annahme ausgedehnter indi-vidueller Korpuskeln, die mit quantitativ angebbaren Beweg-ungsgrößen begabt sind, in zureichender Weise erklären lassen,ohne Voraussetzung irgendwelcherqualitates occultae". Wiedie Menge der Materie erhalten bleibt, so auch die der Be-wegungsgröße (in der eine dunkle Vorahnung dessen ruht, waswir heute als Energie bezeichnen); alle qualitativen Verschieden-heiten sind deshalb in letzter Linie auf quantitative zurückführ-bar, d. h. auf bloße Veränderungen der Bewegungszustände,deren Gesamtbetrag aber eine stets unwandelbare und konstanteGröße ist. Zur Erklärung jener Veränderungen dient die Wirbel-theorie, die jedenfalls als eine höchst geniale und sehr zweck-dienliche Konzeption zu bezeichnen ist, da sie, von wenigen