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[1] (1906)
Entstehung
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519
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GEDÄCHTNISREDE ZUM300/ÄHR. GEBURTSTAGE DESCARTES' 519

keiten seienschon von vornherein gegeben", d. h. das weißeLichtenthalte bereits an sich Strahlen von allen Farben, diebei der Brechung nur getrennt werden", hat er tatsächlich nie-mals ausgesprochen.

In philosophischer Beziehung ist als ein Hauptmangelvon Descartes System hervorzuheben, daß, strenge genommen,der Satzcogito ergo sum" nur das geistige, nicht auch daskörperliche Sein des Denkenden beweist, und daß die Begriffedes Selbstbewußtseins und der Individualität, die Descartesalshöchst deutliche, einfache und durchsichtige" voraussetzt,in Wirklichkeit zu den letzten, schwierigsten, und noch heuteder Erklärung fast unzugänglichen Abstraktionen gehören. Nurdurch eine ganz unzulässige, seinem eigenen sonstigen Ge-dankengange widersprechende Unterstellung konstruiert sodannDescartes aus demDenken" eindenkendes Etwas", undidentifiziert dieses mit der üblichen Vorstellung einerSeele"als beharrender Grundlage des Ichs, das doch in Wahrheit nurErgebnis, nicht Ursache von Bewußtseinsbestimmungen seinkann; es liegt hier eine der üblen Folgen seines Unvermögensvor, sich vom mittelalterlichen scholastischen Begriffe derSub-stanz" loszumachen. Die drei Substanzen, Gott, Materie, undSeele, werden übrigens nicht aus dem Denken abgeleitet, sondernin ihmvorgefunden", und zwar alseingeborene Ideen", derenHerkunft, Wesen, und Tragweite im Dunkeln verbleibt; nur fürdie Existenz Gottes findet sich noch ein besonderer Beweisgeführt, den man aber nicht mit Unrecht als eine bloße ver-schlechterte Auflage jenes berüchtigten ontologischen Beweisesdes Anseimus von Canterbury angesehen hat. Wider-spruchsvoll erscheint die Bezeichnung der Seele als eineim-materielle Substanz", ungerechtfertigt schon überhaupt die Be-zeichnung von Seele und Körper alsSubstanzen", da beidedoch von Gott geschaffen, also gänzlich durch ihn bestimmtund von ihm abhängig sind; unerklärt bleibt es auch, wiesoKörper und Seele, die, als gänzlich voneinander verschieden,