GEDÄCHTNISREDE ZUM300JÄHR. GEBURTSTAGE DESCARTES' 517
es selbstverständlich nicht schwierig, ihnen vom heutigen Stand-punkte aus eine große Reihe prinzipieller Fehler vorzuhalten,ganz abgesehen von den Mißgriffen auf manchen Einzelgebieten,deren verschiedene schon im Verlaufe der bisherigen Darstellungerwähnt wurden.
In physikalischer Hinsicht ist es z. B. unzweifelhaft, daßschon die Fassung des dritten »Hauptprinzipes" völlige Un-kenntnis des Gesetzes von der Gleichheit der Wirkung undGegenwirkung verrät, sowie Unkenntnis des Gesetzes von derUnabhängigkeit gleichzeitig einwirkender Kräfte; daher mußdie Erklärung der, gerade für Descartes' System so überauswichtigen Stoßwirkungen und aller ihrer Konsequenzen not-wendig falsch ausfallen, um so mehr als Descartes, hier denEinfluß der Elastizität außer acht läßt, und den folgenschwerenIrrtum begeht, die Richtung für eine nebensächliche, von derNatur der Bewegung ganz unabhängige Eigenschaft zu halten,so daß sie, falls sich ein Widerstand bietet, abgeändert, ja selbstganz umgekehrt werden kann, ohne daß ein Verlust an Ge-schwindigkeit eintritt, — eine Behauptung, die in unlösbaremWiderspruche zu Descartes' eigenem Satze von der Erhaltungder Bewegungsgröße steht.
Weshalb es nur drei Elemente, und zwar gerade von dengeschilderten Eigenschaften, geben kann, ist nicht recht zu be-greifen; überdies sollen sie nur durch ihre Bewegungszuständedifferenziert sein, so daß in der Ruhelage nur ein einheitlicherKörper zurückbliebe, den man nicht einmal einen physischennennen könnte, sondern nur einen mathematischen, da die»Undurchdringlichkeit" offenbar keine Eigenschaft der »Aus-dehnung" ist, und nur vermöge einer Begriffserschieichung alsin ihr schon mitenthalten bezeichnet werden kann. Schwer er-faßlich ist es ferner, wie die Bewegungszustände, trotz derhinzutretenden Wirbelbewegungen, unverändert erhalten bleibenund fortbestehen können.
Die Theorie der Wirbel selbst leidet an zwei bedeutenden