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[1] (1906)
Entstehung
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516
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516 GEDÄCHTNISREDE ZUM300JÄHR. GEBURTSTAGE DESCARTES'

soluten Größe der Geschwindigkeitsdifferenzen, entstehen dienach der roten, oder die nach der violetten Seite des Spektrumszu liegenden Farben und Zwischenfarben.

Auf diese Ergebnisse gestützt, wandte sich Descartes derErforschung des Regenbogens zu, an dessen Erklärung sichschon seit Aristoteles die besten Geister, und zumeist frucht-los, versucht hatten. Zwar war es schon 1311 dem Prediger-mönche Theodorich von Basel gelungen, die Entstehungdes Haupt- und Nebenbogens richtig zu deuten, und das näm-liche führte 1611 der Erzbischof Marcantonio de Dominisvon Spalatro (ohne seinen Vorgänger zu kennen) nochmals fürden Hauptbogen aus; aber erst Descartes blieb es vorbehalten,auf Grund einer geradezu musterhaften Experimentaluntersuchungdes Ganges von Lichtstrahlen durch kugelförmige, mit Wassergefüllte Flaschen, die erschöpfende (nur in Einzelheiten vonNewton und sodann nochmals in neuester Zeit ergänzte)Theorie der beiden Regenbogen zu entwickeln, und nicht nurderen Bildung durch die kombinierte Wirkung mehrmaligerBrechung und Reflexion endgültig aufzuhellen, sondern auchauf höchst mühsamem Wege die Größe der charakteristischenWinkel bezw. der Bogenhalbmesser, zu berechnen. 1

Auch das Auftreten der Ringe und Höfe um Sonne undMond führte Descartes als Erster auf die Brechungen undReflexionen der Lichtstrahlen an den feinen, in den höchstenSchichten der Atmosphäre schwebenden Eisnadeln zurück; eineeigentliche Erklärung der die Brechungserscheinungen be-gleitenden Farbenphänomene gelang ihm jedoch hier eben-sowenig wie im Falle des Regenbogens.

Werfen wir nun einen kritischen Rückblick auf diephilosophischen und physikalischen Lehren Descartes', so ist

1 Über die zuerst 1801 von Young, sodann 1837 von Airy, 1850von Stokes, und 18971900 von Pernter erkannte Notwendigkeit, dieDescartessche Theorie zu ergänzen und abzuändern, s. Chwolson,Lehr-buch der Physik" (Braunschweig 1904, Bd. II, S. 712).