GEDÄCHTNISREDE ZUM300JÄHR. GEBURTSTAGE DESCARTES' 515
beobachtete sogenannte Aberration). Durch den Stoß desHimmelselementes auf das Auge entsteht das subjektive Ge-fühl des Lichtes; merkwürdigerweise kann sich aber Des-cartes nicht ganz von der Anschauung frei machen, daß auchdas Auge selbst eine Art tastender Lichtstrahlen aussende, wiedas z. B. die (falsche!) Tatsache des Sehens der Katzen in völligfinsteren Räumen beweise.
Eingehend untersuchte und formulierte Descartes die Ge-setze der Reflexion des Lichtes, auch entdeckte er, wie einneuerdings durch Korteweg aufgefundener Brief von 1629beweist, selbständig das Gesetz der Lichtbrechung; ohne dieungedruckt gebliebene Arbeit von Snellius (1591 bis 1626) zukennen, leitete er es aus seinen (nicht stets richtigen) Hypo-thesen über die Natur des Lichtes ab, und sprach es in demSatze aus, daß der Brechungskoeffizient konstant, und demQuotienten aus den trigonometrischen Sinus des Einfalls- undBrechungswinkels gleich sei. Bestätigende Versuche stellte erbesonders mittels hyperbolischer Linsen an, auf deren An-fertigung er außerordentliche Mühe verwandte; er erdachte undkonstruierte zu diesem Zwecke eigene Schleifmaschinen, undprüfte auch das optische Verhalten der verschiedenen Glas-sorten. Gelegentlich der Studien über das Brechungsvermögender Gläser entdeckte er den Zusammenhang zwischen Brechungund Entstehung farbiger Ränder, und beobachtete das bei derBrechung des Sonnenlichtes durch ein Glasprisma auftretendefarbige Spektrum. Die Farben, deren Erzeugung im allgemeinenauf die optischen Verhältnisse an den Grenzen von Licht undSchatten zurückzuführen ist, sollen im besonderen Falle derLichtbrechung ihren Ursprung dadurch empfangen, daß dieTeilchen des Himmelselementes nicht nur aus ihrer Bahn ab-gelenkt werden, sondern gleichzeitig auch in eine rotierendeBewegung geraten, deren Schnelligkeit bald größer, bald ge-ringer ist als die ihrer geradlinig fortschreitenden; je nachdemder erste oder zweite dieser Fälle eintritt, und je nach der ab-
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