512 GEDÄCHTNISREDE ZUM500JÄHR. GEBURTSTAGE DESCARTES'
er erkannte ferner, daß bei der Bewegung durch die einfachenMaschinen an Zeit verloren, was an Kraft gewonnen wird, undfaßte auch einen richtigen Begriff der »Arbeitsgröße", indemer angibt, daß es die nämliche Kraftanwendung koste, einenZentner zwei Fuß, oder zwei Zentner einen Fuß hoch zuheben. Als Maß der Kraftanwendung in diesem Sinne stellteer das Produkt aus Gewicht und Erhebungshöhe auf, vermochteaber weder dessen Unterschied von der Bewegungsgröße (Pro-dukt aus Masse und Geschwindigkeit) deutlich festzuhalten,noch überhaupt betreff der richtigen Behandlung des Begriffesder Geschwindigkeit Klarheit zu gewinnen. Dies tritt nament-lich in seinen Ansichten über den freien Fall zutage. Er er-kennt diesen, vermutlich Kepler's Spuren folgend, prinzipiellzutreffend als eine beschleunigte Bewegung; aber das mangelndeVerständnis für die Bedeutung der Geschwindigkeit, der Glaube,daß schon vorhandene Bewegung einen Körper bezüglich der»Aufnahme" weiterer Bewegung prädisponiere, die Leugnungkonstanter Naturkräfte, und endlich die Vorstellung über dieNatur der Schwere, verhindern ihn, den richtigen Sachverhaltausfindig zu machen, oder auch nur Galilei's grundlegendeVersuche über den freien Fall, den Fall auf der schiefenEbene, und den Wurf, richtig zu verstehen.
Sehr bemerkenswert ist Descartes' Theorie der Elasti-zität, die er, ohne auf die beliebten „elastischen Kräfte" zurück-zugreifen, mit Scharfsinn und Konsequenz allein aus rein mecha-nischen Vorstellungen ableitet. Ebensolche liegen auch seinerTheorie der Wärme zugrunde, deren Wesen er in einem,durch die Stöße des Feuerelementes verursachten Schwingenund Erzittern der irdischen Körper erblickt; da zu dieser Be-wegung ein größerer Raum als der im Ruhezustande einge-nommene erforderlich ist, so dehnen sich die Körper beimErwärmen aus.
Mit den Grundgesetzen der Hydrostatik (u. a. mit demsogenannten hydrostatischen Paradoxon), und teilweise auch