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[1] (1906)
Entstehung
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511
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GEDÄCHTNISREDE ZUM300JÄHR. GEBURTSTAGE DESCARTES' 511

Durch die Drehung der Erde und anderer Sterne wirdauch eine, gewöhnlich als Schleuderkraft (Zentrifugalkraft) be-zeichnete Erscheinung hervorgerufen, deren wahres Wesen aberdarin besteht, daß sich gewisse Teilchen, nämlich jene, diedas meiste Himmelselement eingeschlossen enthalten, natur-gemäß von den Weltkörpern zu entfernen, und sich demHimmel zu nähern suchen; indem nun die Teilchen, denenman die größte Zentrifugalkraft zuzuschreiben pflegt, sich wirk-lich von den Weltkörpern erheben und gen Himmel aufsteigen,drängen sie hierbei andere Teilchen herab, und erzeugendurch deren Druck die fälschlich alsKraft" angeseheneSchwere. Kein Körper ist daher an sich schwer, sondern dieSchwere ist eine nur relative Eigenschaft, die unter gewissenUmständen Veränderlichkeit zeigen, unter andern sogar ganzverschwinden müßte: in einem leeren Räume z. B. wäre dieSchwere unmöglich, weil in diesem die Teilchen der Elementefehlen, die sie, gleichsam durch ihren Rückstoß, erst hervorrufen.

Was die Mechanik in engerem Sinne anbelangt, so hatDescartes ihre Prinzipien, namentlich in statischer Beziehung,mit großer Einsicht erfaßt, und sie in den meisten Fällen (je-doch nicht in allen) auch richtig angewandt. Dies gilt be-sonders von den Sätzen, daß die Wirkung nicht mehr ent-halten kann als die Ursache, und daß Hervorrufung undHemmung einer Bewegung gleich große Tätigkeit erfordern,sowie vom Prinzipe der virtuellen Geschwindigkeit, das ersehr klar an dem vortrefflichen Beispiele des Flaschenzugeserörtert, und zur Ableitung der Gleichgewichtsbedingungen anden einfachen Maschinen benützt. Weniger erfolgreich ist erin der Behandlung dynamischer Probleme, obwohl es auchhier an einzelnen, ganz hervorragenden Leistungen nicht fehlt:so löste Descartes 1646 zuerst die von Mersenne aufge-worfene, überaus schwierige Frage nach dem Schwingungs-mittelpunkte des Pendels, allerdings nur unter der Voraus-setzung, daß die Rotationsachse in die Ebene der Figur fällt;