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[1] (1906)
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508
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508 GEDÄCHTNISREDE ZUM300JÄHR. GEBURTSTAGE DESCARTES'

wirklich allen Inhalt aus einem gegebenen Gefäße entfernen,so müßten dessen Wandungen zusammenfallen". Aus der Un-möglichkeit des leeren Raumes ergibt sich die Kontinuität derMaterie; diese ist, ebenso wie der von ihr erfüllte Raum, insEndlose teilbar, diese Teilung kann aber stets nur zu beliebigkleinen, jedoch weiter teilbaren, und untereinander zusammen-hängenden Korpuskeln führen, nie zu individuellen, unteilbaren,und durch leere Räume getrennten Atomen. Des weiteren folgtaus der Unmöglichkeit des leeren Raumes die Unbegrenztheitdes Weltalls, die aber mit der Begrenztheit unseres Sonnen-systems keineswegs unvereinbar ist, da sehr wohl auch eineVielheit von Welten möglich erscheint (wie sie zuerst bekannt-lich Oiordano Bruno gelehrt hat).

Der Unveränderlichkeit der Ursache der Weltschöpfung,Gottes, entspricht auch eine unveränderliche Wirkung: dieMaterie, die er geschaffen, und die Bewegung, die er ihr ver-liehen, kann weder vermehrt noch vermindert werden, d. h.es besteht Konstanz der Menge aller Materie, und Konstanzder Summe aller Bewegungen, also der Bewegungsgröße. AlsAusdruck der Bewegungsgröße, und daher als Kräftemaß, be-trachtet Descartes das Produkt m. v von Masse m und Ge-schwindigkeit v, ohne jedoch zu einem klaren Begriffe derMasse zu gelangen, der ihm bald mit jenem der Ausdehnung,bald mit jenem des Gewichtes, in vieldeutiger Weise ver-schwimmt.

Auf Grund dieser Sätze, und jedenfalls unter Anlehnungan die ihm wohlbekannten Lehren Kepler's, stellt Descartesdrei Hauptprinzipien auf: 1. Jeder Körper beharrt in seinemZustande der Ruhe oder Bewegung, solange dieser nicht durchäußere Einflüsse verändert wird (Trägheitsprinzip); 2. jederbewegte Körper beharrt in der Richtung seiner Bewegung;3. trifft ein bewegter Körper auf einen anderen, so teilt erdiesem Bewegung mit, falls er ihn überhaupt bewegen kann,während er anderenfalls keinen Verlust an Kraft erleidet. Dieser