GEDÄCHTNISREDE ZUM 300JÄHR. GEBURTSTAGE DESCARTES' 507
zu einem Einzigen schrieb er in letzter Linie wieder einer be-sonderen Tätigkeit der Zirbeldrüse zu.
Die Physik, im weitesten Sinne, hat nach Descartesalles das zu beschreiben und zu erklären, was die menschlicheVernunft durch Beobachtung der Erscheinungen in der Naturwahrnimmt, oder durch Nachdenken über diese erschließt Danun bei allen Beobachtungen der Außenwelt zu abstrahierenist: 1. von den sinnlichen Qualitäten der Körper, die nur Zu-stände des Empfindenden, den Körpern selbst aber nicht ähn-licher sind als etwa die Worte den durch sie bezeichneten Be-griffen; 2. von Zahl und Zeit, die bloß seitens des Subjektesgesetzte Beziehungen zwischen den Körpern vorstellen; 3. vonallen inneren, geheimnisvollen Trieben und Kräften (z. B. derfernwirkenden Schwere) und allen Zweckursachen, — so ergibtsich, als für den physischen Körper allein charakteristisch, seineAusdehnung. Materie und ausgedehnter Raum sind identisch,Ausdehnung ist körperliches Sein und umgekehrt, und im Zu-stande absoluter Ruhe gäbe es nur eine, allerorten gleich-artige und unterschiedslose Materie. Gott hat aber die Materiebewegt erschaffen, und daher ist alles körperliche GeschehenBewegung; der unbeseelten Welt liegen also Ausdehnung undBewegung, und zwar nur diese, zugrunde, und ihre Körperbestehen aus der einheitlichen Materie in den verschiedenstenArten der Verteilung, Gestaltung, Verbindung und Bewegung.Die Gesetze dieser Bewegung hat die Physik zu ermitteln, undin diesem Sinne ist Mechanik als identisch mit Physik zu be-trachten, und nicht, wie sonst gebräuchlich, als eine ihrer Unter-abteilungen.
Da der Körper mit dem von ihm erfüllten Räume identischist, so enthält die Annahme eines »leeren Raumes" eine »contra-dictio in adjecto", die ohne weiteres die Unmöglichkeit seinerExistenz ersehen läßt: „würde Gott, vermöge seiner Allmacht,