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[1] (1906)
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BACON VON VERULAM

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man aus der bekannten Ode an Melpomene im vierten Buchedes Horaz folgern, daß dieser ein heimlicher Tragödiendichtergewesen sei.

Unter den Argumenten der Verfechter der Bacon-Theorienimmt jedoch eines eine ganz besonders wichtige, von denverschiedensten Seiten wiederholt und nachdrücklich betonteStellung ein. Es lautet in kurzem wie folgt: Die Autorschaftder dem Shakespeare zugeschriebenen Werke setzt einenhohen, ja ungewöhnlich hohen Grad von Bildung voraus; dawir nun angeblich nach den Einen garnicht, nach den Anderennicht genügend, nachzuweisen vermögen, wie Shakespeare zudiesem gelangte und gelangen konnte, so folgt daraus, daß erihn garnicht besessen hat. Dagegen besaß ihn keiner seinerZeitgenossen in reicherem Maße als der große LordkanzlerBacon von Verulam; demnach ist dieser als wahrer Verfasserder sogenannten Shakespeareschen Werke anzusehen, diehervorzubringen auch er allein, als Philosoph, Naturforscher undNaturphilosoph ersten Ranges, die wirkliche Befähigung besaß.

Die geschichtlichen und literarhistorischen Schwächen diesesHauptargumentes sind bereits von den oben genannten Forschernendgültig klargelegt worden; bezüglich des materiellen Inhaltesscheint es aber an genügender Untersuchung noch zu fehlen.Es erhebt sich nämlich die naheliegende Frage: trifft die, alsselbstverständlich eingeführte Voraussetzung überhaupt zu? warBacon wirklich ein Philosoph, Naturforscher und Naturphilosophersten Ranges? oder fällt zugleich mit der Richtigkeit dieserAnnahme auch die der ganzen Schlußfolgerung?

Der Lösung dieser Frage näher zu treten, ist der Zweckunserer heutigen Besprechung; wir werden zu diesem EndeBacon's Lebenslauf zu überblicken, und seine Leistungen,namentlich auch die in naturwissenschaftlicher Hinsicht, genauerzu prüfen haben als dies bisher in der Regel geschehen ist.Denn über Bacon haben zwar Viele, deren Worten wir oft zufolgen haben werden, ausführlich geschrieben, u. a. Dixon,