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[1] (1906)
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353
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LIONARDO DA VINCI ALS GELEHRTER UND TECHNIKER 353

Ellipsenrad, und trachtete, die Regeln des sogenanntengol-denen Schnittes" zu künstlerischen, aber auch zu praktischenZwecken zu verwerten, u. a. zur Herstellung möglichst wohl-gefälliger, deutlicher, leicht leserlicher Zahlen und Buchstaben,für die er, als eifriger Liebhaber der Kalligraphie, ein ganzbesonderes Interesse besaß.

Zahlreich und bedeutsam sind Lionardos Leistungen auffast allen Gebieten der Physik; die Methode der experimen-tellen Forschung, in Verbindung mit seinen mathematischenKenntnissen, führte ihn hier fast bei jedem Schritte zu denschönsten Ergebnissen.

In der Optik fesselte ihn schon frühzeitig die Reflexiondes Lichtes, die er als einen der Stoßwirkung analogen Vor-gang ansah; er entwickelte die Theorie der Spiegelreflexion,fand die Gesetze auf, nach denen die Reflexion seitens krummerund sphärischer Spiegel berechnet werden kann, und kon-struierte Bahnen und Schnittpunkte der zurückgeworfenenStrahlen für alle diese Fälle. Mit der Brechung, vielleicht auchmit der Beugung des Lichtes war er vertraut, und gab, aufGrund zutreffender Anschauungen über Gang und Fortpflanzungder Lichtstrahlen, zuerst die richtige Erklärung der Cameraobscura (ohne Linse!), eines Apparates, den er allem Anscheinenach selbst oder doch selbständig erfunden hat. Sogleich ge-langte er aber auch zum Schlüsse, daß der Vorgang beimSehen dem in der Camera obscura analog sein müsse, undzeigte durch Anfertigung eines künstlichen Auges, daß dasAuge in der Tat nach Art einer Camera funktioniere; überdie Bedeutung der einzelnen Teile des Auges, namentlich derLinse, besaß er durchaus korrekte Vorstellungen, desgleichenüber die Lage der Bilder auf der Netzhaut, und über die,durch die verschiedene Stellung der beiden Augen bedingteVerschiedenheit der beiden Bilder, die er als Ursache des

v. Lippmann, Beiträge. 23