ZUR GESCHICHTE DES MAIS
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ortes von Waren mit dem wirklichen Ursprungslande. Wollteman so schließen, so müßte der in Süddeutschland und derSchweiz gebräuchliche Name „Welschkorn" für die italienischeHeimat des Mais zeugen, oder es müßten z. B. auch die „tür-kischen Hühner" (Truthühner, englisch „turkeys") aus der Türkeistammen, während sie bekanntlich ebenfalls aus Mittelamerikaeingeführt worden sind.
In ganz Österreich, Ungarn, und allen Donauländern wirdder Mais fast ausschließlich mit dem Namen „Cucurruz" be-zeichnet, der bisher als vollkommen unerklärlich gilt. MeinerMeinung nach ist dieser Ausdruck auf das Wort „Cucurrucho"zurückzuführen, mit dem, nach Humboldt, in Mittelamerikaz. B. der dunkle, angebrannte Rohzucker schlechtester Qualitätbezeichnet wurde. 1 „Cucurrucho" heißt im Spanischen undPortugiesischen etwas Zugespitztes, eine Spitze, ein Wipfel; dasWort bezeichnet auch eine Papierdüte, sowie ferner die düten-oder kegelförmige Zuckerhutform, und besonders deren zuge-spitzten Teil. Da nun die Zuckerhutformen auf der Spitzestehend gefüllt und ausgedeckt wurden, so verblieb, wenn dasDecken nur unvollständig gelang —, wie das bei dem altenunvollkommenen Arbeitsverfahren der Kolonialzuckerfabrikenstets der Fall war —, in der Spitze der Form fast unveränderter,dunkler, angebrannter Rohzucker, und diese schlechteste Qualitätwurde daher „Cucurrucho" genannt. Dieser „Kopf", sowie derweiß gedeckte „Fuß" des Brotes („Blanco") wurden von jedemBrote abgeschlagen, und man behielt dann ein halb ausgedecktesMittelstück über, das „Quebrado" hieß (d. i. Abgeschlagenes,Abgerissenes). Noch zu Humboldts Zeit erhielt man aus dergesamten, in Arbeit genommenen Zuckermasse zwei Drittel alsMelasse und nur ein Drittel als Zucker, und von diesem wiederwaren etwa fünf Neuntel weißgelb bis weiß gefärbter Blanco,drei Neuntel blonder Quebrado, und ein Neuntel brauner bisschwarzer Cucurrucho.
1 S. meine »Geschichte des Zuckers", Leipzig 1890, S. 306.v. Lippmann, Beiträge. 22