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[1] (1906)
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ZUR GESCHICHTE DES MAIS

auf das ich mir gestatte -, da es privater Mitteilung nach aucheinigen der hervorragendsten Fachmänner bisher unbekanntgeblieben war neuerdings hinzuweisen. In dem Berichteüber seine dritte Reise (abgedruckt z. B. in »Die Reisen desCristoph Columbus 1492 bis 1514, nach seinen eigenenBriefen und Berichten", Leipzig 1890) beschreibt nämlichColumbus den spanischen Majestäten eine Bewirtung seinerLeute seitens der Eingeborenen, und sagt dabei: » ... es gabauch roten und weißen Wein, ... die aber nicht aus Trauben,sondern aus verschiedenen Fruchtarten gemacht waren; offen-bar nahmen sie Mais dazu, der eine Fruchtart ist, die ich mitnach Castilien nahm." Diese Stelle scheint mir genügend,um jeden Zweifel an der amerikanischen Herkunft des Maiszu zerstreuen, um so mehr, als auch die innere Wahrscheinlich-keit für sie spricht, da die aus Mais dargestellten gegorenenGetränke, wie »Chicha de Mahis" und ähnliche, stets die natio-nalen und Lieblingsgetränke der mittelamerikanischen Völkergewesen und geblieben sind.

Gegen Ende des Mittelalters bestand, wie Heyd in seinerunübertrefflichen »Geschichte des Levantehandels" 1 nachge-wiesen hat, ein ganz außerordentlich reger Handelsverkehrzwischen den spanisch-portugiesischen und den übrigen Mittel-meerküsten, und es brachten z. B. »portugiesische Barken ihreWaren direkt bis nach Genua, Venedig und Pera (Konstanti-nopel)". Auf diese Weise ist jedenfalls, wie die vieler andererProdukte, auch die rasche Verbreitung des Mais zu erklären,insbesondere die nach dem Orient und der Türkei. Vonletzterer aus wanderte dann der Mais, angeblich durch Zigeuner,nach den Donaustaaten, nach Ungarn, Österreich u.s.w., kurz nachjenen Ländern, in denen er noch heute »türkischer Weizen"genannt wird. Dieser Name ist natürlich für die ursprünglichtürkische oder orientalische Herkunft nicht beweisend, dennnichts ist gewöhnlicher, als die Verwechslung des Herkunfts-

1 Französische Ausgabe, Leipzig 1885.