ZUR GESCHICHTE DES DIABETISCHEN ZUCKERS 331
stehe, sondern schon im Blute angehäuft sei, und zwar infolgeeiner Stockung der Assimilation, die zur Anreicherung des inkleiner Quantität auch bei Gesunden vorhandenen Zuckersführe, sowie einer abnormen Fermentwirkung, 1 die Zucker inungewöhnlicher Menge hervorbringe.
Auf die wissenschaftliche Welt wirkten jedoch auch dieexperimentellen Darlegungen Dobsons keineswegs sofort über-zeugend, und es bedurfte noch mehrerer Dezennien, bis, etwagegen 1800, ihre Wahrheit, den Widersprüchen der Gegnerzum Trotze, allgemeine Anerkennung fand. Dieser wurde sienur allmählich teilhaftig, und zwar unter dem Einflüsse derbestätigenden Arbeiten anderer hervorragender Ärzte; so ge-wann z. B. Rollo aus 1 kg Harn 85 g, Cowley sogar bis250 g süßen Rückstandes, Home zeigte, daß dieser aus einemwechselnden Gemische gewöhnlicher Harnsalze und gärungs-fähigen Zuckers bestehe, und der berühmte Wiener KlinikerJoh. Peter Frank (1745 bis 1821) stellte um 1792 den Zuckerzuerst kristallisiert dar, isolierte ihn hierbei nach wieder-holtem Umkristallisieren »völlig rein, an Farbe, Aussehen undGeschmack dem gewöhnlichen Zucker durchaus gleich", underhielt durch Oxydation Oxalsäure und bei der Gärung Alkoholbezw. Essigsäure. 2 Den Zucker aus dem Blute abzuscheiden,versuchte auch Rollo vergeblich, es gelang ihm aber zu er-mitteln, daß normales Blut, schon auf Zusatz kaum merklicherMengen Zucker, die charakteristischen Eigenschaften des diabe-tischen annehme; auch erkannte er als Hauptquelle des Zuckersdie verwandten Bestandteile der vegetabilischen Nahrung undgründete auf diese Einsicht die erste positive und nachweisbarwirksame Bekämpfung des Diabetes, die durch ausschließlichanimalische Ernährung. 8
1 Heute würde man „EnzymWirkung" sagen, und tatsächlich führt auchDobson die Zuckerbildung bei der Keimung der Gerste als Analogon an.
2 „De curandis hominum morbis" (Mannheim 1792/94).
3 v. Mering, „Lehrbuch der inneren Medizin" (1903, S. 1026).