320 DAS so JÄHR. JUBILÄUM DES POLARISATIONSAPPARATES
sicher zu handhabende Vorrichtung zu ersinnen. An dieserStelle setzte nun mit größtem Erfolge Mitscherlich's Tätig-keit ein; sein entscheidendes und für alle Folgezeit ausschlag-gebendes Verdienst ist eben die Konstruktion des erstenwirklich brauchbaren, den Bedürfnissen der Praxis ent-sprechenden Polarisati onsapparates.
Auf die Einzelheiten dieser Konstruktion einzugehen, würdehier zu weit führen, und es sei deshalb nur erwähnt, daß diePrismen aus Kalkspat-Rhomboedern geschnitten und mitCanada-balsam verkittet waren, die Beleuchtung durch eine Öllampemit doppeltem Luftzuge geschah, und die Lösung in ein 200 mmlanges, gläsernes oder messingenes, durch planparallele Glas-platten geschlossenes Rohr gefüllt wurde, das man erforderlichenFalles durch einen Wassermantel auf konstanter Temperaturerhalten konnte. Zur Ablesung gelangte unmittelbar der Dreh-ungswinkel, und zwar wurde entweder auf den Punkt größterVerdunkelung des Gesichtsfeldes eingestellt, oder auf das Er-scheinen einer bestimmten Farbe, z. B. der roten, oder derscharf begrenzten und deutlich zu erkennenden violetten, wobeifarbige Normalgläser zur Vergleichung dienten.
Für die spezifische Drehung der Zuckerarten fandMitscherlich mittels seines Apparates Werte, die, falls mandie heute übliche Zahl aD = +64° für Rohrzucker zugrundelegt, für Traubenzucker +50,28°, für Invertzucker —21,33°,für Milchzucker +50,28°, für Dextrin + 130,95° ergeben, alsoden besten gegenwärtig festgestellten Zahlen recht nahe kommen;die Stärke erwies sich als inaktiv, der arabische Gummi, je nachder gewählten Sorte, bald als rechts- bald als linksdrehend.Mitscherlich entdeckte auch zuerst (schon 1843), daß dieRotation der Zuckerarten durch Basen verändert wird, unddaß die Linksdrehung des Invertzuckers, für die er bei 20°die Zahl —21,33° gefunden hatte, mit steigender Tempe-ratur rasch abnimmt, bei 80° Null wird, und oberhalb 80°in Rechtsdrehung übergeht.