DAS 50JÄHR. JUBILÄUM DES-POLARISA TIONSAPPARA TES 321
Den Zuckerfabrikanten gab Mitscherlich genaue Vor-schriften zur polarimetrischen Analyse von festen Zuckernund Zuckerlösungen an, »die für sie von hoher Wichtigkeitsein werden"; hierdurch nicht minder wie durch die Kon-struktion des Apparates erwarb er sich ein großes und dauerndesVerdienst um die Industrie, und niemand erkannte dieses offenerund neidloser an als der edle Biot, den seine langjährigeneigenen Bestrebungen in dieser Richtung nicht zum erwünschtenZiele geführt hatten. In Briefen an Mitscherlich aus demJahre 1847 rühmt er die Einfachheit und Genauigkeit des neuenInstrumentes, verspricht, nach dem ihm übersandten Modellesogleich auch in Paris zwei Apparate bauen zu lassen, undverpflichtet sich, diese zu revidieren und für ihre Einführung ineiner der Pariser Raffinerien Sorge zu tragen; auch hielt er inder Akademie der Wissenschaften einen Vortrag über das neuePolarimeter, und empfahl es öffentlich in deren Sitzungsberichten,»zum Nutzen der Zuckerfabriken, die der Leitung durch weiseRatschläge gar sehr bedürfen, und in Unkenntnis der Wahrheitnur allzu oft dem ersten besten Schwindler zum Opfer fallen."
Den Briefen Biot's ist zu entnehmen, daß bereits imJahre 1847 eine größere Anzahl deutscher und russischerFabriken praktischen Gebrauch von Mitscherlich's Polari-sationsapparate machte; das genaue Datum der ersten Kon-struktion und Benützung ist indessen bisher nicht festzustellengewesen. Nach einer freundlichen Mitteilung Herrn ProfessorAlexander Mitscherlich's in Freiburg, des jüngsten SohnesEilhard Mitscherlich's und Herausgebers seiner »Ge-sammelten Schriften", enthalten auch Mitscherlich's hinter-lassene Papiere hierüber nichts näheres; sicher ist es aber, daßdie erste Beschreibung des Apparates sich in der viertenAuflage des »Lehrbuches" vorfindet, und da diese im Jahre 1847vollendet wurde, so habe ich geglaubt, an die Jahreszahl 1847anknüpfen zu sollen, und sprach in diesem Sinne von einemfünfzigjährigen Jubiläum.
v.Lippmann, Beiträge. 21