DAS soJÄHR. JUBILÄUM DES POLARISATIONSAPPARATES 307
der fertigen Erzeugnisse, der Abfallstoffe und Nebenprodukte,in jedem Augenblicke leicht und sicher zu erkennen, vom Sollund Haben an Zucker jederzeit genaue Rechnung zu legen,die Ausbeuten zu ermitteln und festzustellen, die Verluste zuvermindern und zu vermeiden, — kurz die ganze Arbeitsweisemit Bewußtsein und steigender Klarheit zu erfüllen? DieseFrage wirft Scheibler in den Eingangsworten einer 1870 inder Zeitschrift unseres Vereines veröffentlichten Abhandlungauf, und beantwortet sie mit dem Satze: Jenes Hilfsmittel istdas optische Polarisationsverfahren. Daß Scheibler'sAusspruch der Wahrheit die Ehre gibt, davon überzeugt einbloßer Versuch sich die Zuckerfabrikation, ohne daß sie imBesitze dieser Methode wäre, überhaupt noch vorzustellen: erist aussichtslos, und der Zustand, den wir uns zu versinnlichenhätten, bleibt völlig undenkbar. In der Tat müssen wir diePolarisationsmethode als das wertvollste und unersetzlichsteGeschenk ansehen, das unsere Industrie von Seiten der reinenWissenschaft jemals entgegengenommen hat, und der Mann,aus dessen Händen sie es vor gerade fünfzig Jahren empfing,ist gewiß ihrer fortdauernden Dankbarkeit und unentwegtenVerehrung vor allen würdig.
Aber wer ist dieser Mann? Ich glaube mit der Annahmenicht fehlzugehen, daß die große Mehrzahl dieser Versammlungseinen Namen nicht zu nennen wüßte, und deshalb erscheintes mir als eine Pflicht der Pietät, das Andenken seiner Personund seiner Leistungen, namentlich soweit sie mit unserer In-dustrie in Verbindung stehen, an dieser Stelle zu erneuern.
Eilhard Mitscherlich, — denn dies ist der großeChemiker, von dem wir zu sprechen haben —, wurde am7. Januar 1794 als Sohn des Pastors Mitscherlich zu Neu-ende, dicht am Jahdebusen, geboren, und erhielt seine ersteAusbildung anfangs in Neuende, später in Jever, und zwarunter Leitung seines Landsmannes, des berühmten Historikers
Schlosser; er folgte diesem nach Frankfurt und Heidelberg,
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