EINIGE WORTE ZUM ANDENKEN ACHARD'S 301
Großen seine früheren Erfahrungen als nichtig erwiesen hätten,und daß er leider zur Überzeugung gelangt sei, der Rüben-zucker könne nicht an die Stelle des Rohrzuckers treten. DieEhrenhaftigkeit und Uneigennützigkeit, die Achard auszeichnen,ließen ihn solche beleidigende Anerbieten in gebührender Artzurückweisen."
Die Wahrheit dieser Erzählung, die den Charakter Achardsin so glänzendem Lichte erscheinen läßt, haben schon vor langerZeit englische und französische Autoren in Abrede zu stellengesucht, um so mehr als manchen von ihnen nicht die oben-genannte unmittelbare Quelle von 1811 bekannt war, sondernnur eine mittelbare, die »Analyse de la question des sucres«,die Napoleon III. 1842 verfaßte, während er als Thronpräten-dent in der Festung Ham gefangen war. 1 Neuerdings hat sichdiesen Zweiflern auch unser ehemaliger Fachgenosse, der jetzigeRegierungsrat Dr. C. Bittmann in Karlsruhe beigesellt, undzwar in seiner, trotz ihres höchst interessanten Inhaltes seitensunserer Industrie fast unbeachtet gebliebenen Schrift „Jac. Chr.Schmelzer und die Achardsche Departementszuckerfabrik imSt. Agnetenkloster zu Trier 1811 bis 1814". 2 Für ihn „trägtjene Notiz die Faktur ihres kaiserlichen Verfassers an der Stirn",er neigt also wohl zur Annahme, Napoleon I. habe sie will-kürlich erfunden, um der Welt den wahren Wert der, von ihmzur Zeit der Kontinentalsperre durch Maßregeln aller Art ge-förderten Rübenzuckerfabrikation, an einem schlagenden Bei-spiele vor Augen zu führen; Bittmann hält es auch für einenWiderspruch, daß jene Maßregeln schon 1800 oder 1802 dieEngländer beunruhigt haben sollten, und erachtet es für min-destens „sehr der Aufklärung bedürftig, ob diese Bestechungs-geschichte sich überhaupt zugetragen habe, und mit welchemRechte bejahenden Falles das anonyme Angebot den Eng-ländern zugeschrieben werden muß".
' Die Schrift erschien zuerst 1842 in Paris; die Erzählung steht S. 3.
2 Sonderabdruck aus dem „Trierschen Archiv", Trier 1901; S. 44 ff.