300 EINIGE WORTE ZUM ANDENKEN ACHARD'S
in der er dem König anzeigt, daß er »nach fünfzehnjährigenKultur- und Fabrikationsversuchen einen neuen Erwerbszweigausgemittelt habe, geschaffen, um künftig vielen MenschenUnterhalt zu geben, sowie Population und Einkünfte derpreußischen Staaten zu vermehren", und noch in seinem letztenSchreiben vom 12. Juli 1810, das die endgültige, für ihn (trotzallen Wohlwollens) den finanziellen Untergang bedeutendeAuseinandersetzung mit dem Fiskus betrifft, wünscht er esermöglicht zu sehen, daß die Fabrik in Cunern wenigstens »alspraktische Lehranstalt erhalten bleibe, für fernere Ausbreitungdes neuen vaterländischen Erwerbszweiges". 1 Auch in der Vor-rede seiner 1800 zu Berlin erschienenen »Anleitung zur Be-reitung des Rohzuckers .. ." weist Achard darauf hin, wie ervon Anfang an „keine Verschweigung und private Ausnützungseiner Erfindung" betrieben, sondern sie veröffentlicht habe,»um dem allgemeinen Wohle zu dienen", und wie er zum Be-weise dessen bereit sei, mit seinem Rate jedem Interessentenbeizustehen, »der sich in einem frankierten Briefe an ihn wende".
Die von vielen Zeitgenossen anerkannte »seltene patrio-tische Ehrenhaftigkeit und Uneigennützigkeit des Achard" trittnamentlich in einem merkwürdigen Zwischenfall zutage, zudessen Aufklärung neues Material beizubringen, den Hauptzweckmeines heutigen Vortrages bildet. In Scheiblers Festschriftlesen wir auf Seite 20 folgenden Auszug aus dem ReichsanzeigerNapoleon I., dem »Journal de l'empire" vom 11. April 1811:„Eine wichtige Tatsache, die der berühmte preußische ChemikerAchard veröffentlichte, beweist, wie sehr die vom KaiserNapoleon getroffenen Maßregeln zum Ersätze des Rohrzuckersdie Engländer beunruhigen. Unter dem Schleier der Anony-mität wurde nämlich Achard 1800 erst eine Summe von 50000,dann 1802 eine solche von 200000 Talern geboten, falls erbereit sei, in einer neu herauszugebenden Schrift einzugestehen,daß ihn seine Hoffnungen getäuscht, daß die Versuche im
1 Scheibler's »Festschrift", 1875, S. 34 und 76.