EINIGE WORTE ZUM ANDENKEN ACHARD'S 299
brachte, um ein Experiment zu verfolgen; er legte der Akademieeinmal einen Plan vor, wonach 40000 Experimente auszuführen•waren, um alle bekannten Mineralstoffe nach Belieben in ihreBestandteile zu zerlegen, oder aus ihnen neu zu bilden. Beimschlechtesten Wetter verbrachte er ganze Tage unter freiemHimmel, um Beobachtungen zur Vervollkommnung der Tabaks-pflanzenkultur zu machen; die Ausrechnung von 23000 Regel-detri-Aufgaben, die bei diesem Anlasse nötig war, nahm ergleich an Ort und Stelle vor". Die Kenntnisse, die Achardgelegentlich der Veredlung der Tabakspflanzen erwarb, mögenihm nicht wenig zu statten gekommen sein, als er die Lösungder nämlichen Aufgabe hinsichtlich der Runkelrüben unternahm;bekanntlich empfahl er noch später, 1 deren Blätter zu trocknenund sie als Tabakssurrogat zu benützen, was vorteilhafter undeinträglicher sei als die Verfütterung.
Daß wir in Achard den Vater und Begründer des Rüben-baues und der Rübenzuckerindustrie zu verehren haben, wirdheute allerorten anerkannt, selbst in Frankreich, wo man sichin älterer, aber auch noch in neuerer Zeit bemüht hatte, Prio-ritätsansprüche geltend zu machen; daß hierbei Irrtümer ob-walteten, erhellt am besten aus der, meines Wissens in völligeVergessenheit geratenen und in Deutschland bisher unbekanntenTatsache, daß am 21. Juli 1811 die „Societe d'agriculture de laSeine" Achard ihre goldene Medaille verlieh, „als dem Erstenin Europa, der Zucker im großen aus der Rübe gewonnenhabe", während zugleich Deyeux die nämliche Auszeichnungdafür erhielt, „daß er der Erste gewesen sei, der auch inFrankreich Rübenzucker darstellte". 2
Das „Verdienst des ersten Erfinders" nahm auch Achardselbst für sich in Anspruch, und betonte es bereits in seinerersten Eingabe an Friedrich Wilhelm III. vom 11.Januar 1799,
] „Die europäische Zuckerfabrikation aus Runkelrüben", Leipzig 1809;§ 147 ff. und 162 ff. 2 Siehe Jouffroy-Migne, „Dictionnaire des
inventions", Paris 1860, Bd. I, S. 475 ff.