294 EIN „ANGEWANDTER" CHEMIKER DES iS. JAHRHUNDERTS
abziehen, die Kristalle einige Male mit Kalkwasser bepinseln,und erhält, wenn man sie schließlich zwischen Fließpapier ab-preßt, einen gelblichen Rohrzucker, der ebenso gutvöllig weiß raffiniert werden kann wie der echteindische. Viel leichter als aus der Zuckerwurzel ist derZucker aus der Rübe darstellbar, da diese einen an Zuckerreicheren, an Schleim aber viel ärmeren Saft enthält, jedochnur in der Wurzel, denn die Blätter und das Kraut führenzahlreiche, dem Weinstein ähnliche pflanzliche Salze; dochwechselt auch der Zuckergehalt der Wurzel sehr mit der Witte-rung, der Wärme, und dem Zustande des Wachstumes, so daßer in der völlig gereiften Wurzel am größten ist, beim Auf-bewahren bis zum Mai oder Juni allmählich abnimmt, undnamentlich beim Auskeimen ganz verschwindet. Das Zerreibender Rüben ist gut und rasch ausführbar, auch könnte manhierzu, sowie zum Abpressen, leicht passende Maschinen er-finden; die Preßrückstände halten allerdings stets Zucker zurück,sind aber daher auch nicht wertlos, sondern können auf Alkoholverarbeitet werden. Etwa dreiviertel des Rübengewichtes kommenauf den Wassergehalt der Rübe; aus einem halben Pfunde oderacht Unzen vorher getrockneter Rüben läßt sich leicht einehalbe Unze (d. i. 6,2 Prozent) reiner Zucker ausziehen. ImSafte von Mohrrüben, Pastinaken, Kürbissen und Quecken-wurzeln, im Aloe- und Birkensafte, sowie im wässerigen Rosinen-auszuge ist zwar auch eine Art Zucker vorhanden, doch gleichtdieser mehr dem Sirup oder Honig als dem echten Zucker.»Aus bishero Erzähltem erhellt, was für häusliche Vorteile manaus diesen Erfahrungen ziehen kann, .... daß sich z. B. derarme Bauer dieses Pflanzenzuckers oder dessen Sirups sehrwohl bedienen könnte. . . . Übrigens wird nun wohl keinZweifel mehr übrig sein, daß dies süße Salz, derZucker, sowohl aus unseren Pflanzen, als aus demZuckerrohr zu machen sei."
Überblicken wir die angeführten Arbeiten Marggrafs,