EIN „ANGEWANDTER" CHEMIKER DES 18. JAHRHUNDERTS 293
so kommen nur wenige oder fast gar keine Larven zumVorschein; die allgemeine Ansicht, daß sich diese aus demfaulenden Waid bildeten, ist also offenbar falsch, man mußvielmehr voraussetzen, daß sie aus sehr kleinen Eiern ent-stehen, die der Pflanze schon vorher anhafteten.
Von der Überzeugung durchdrungen, daß, wie salzigschmeckende Pflanzen in ihren Säften Salze, so auch süßschmeckende etwas Zuckeriges enthalten müßten, untersuchteMarggraf einige derartige Gewächse, namentlich den weißenMangold, die Zuckerwurzel, und die Runkelrübe, und fand,»daß sie nicht allein etwas Zuckerähnliches in sich führen,sondern einen wahren, vollkommenen, dem gebräuch-lichen und bekannten, aus dem Zuckerrohre bereiteten,vollkommen gleichen Zucker". Nicht nur schmecken dieaus solchen Wurzeln geschnittenen und sorgfältig getrocknetenScheiben stark süß und lassen unter dem Mikroskope kleineglänzende Kristalle erkennen, sondern man kann auch durchZerreiben und durch Auskochen mit Alkohol den kristalli-sierten Zucker in reiner Form gewinnen, woraus sich zu-gleich ergibt, daß dieser schon für sich ein gutes Kristallisations-vermögen besitzt, und keineswegs, wie stets behauptet wird, erstdurch einen gewissen Kalkzusatz die nötige Festigkeit undTrockenheit erlangt. Um aus Zuckerwurzeln (Sium sisarum)in größerem Maßstabe Zucker zu gewinnen, zerstößt man sie,preßt sie aus, kocht den durch Leinen und Filz filtrierten Saftein, schäumt unter Zusatz von Eiweiß oder Blut ab, konzentriertden filtrierten Saft durch Ausfrieren oder Eindampfen, und läßtden Sirup ein halbes Jahr stehen; man wärmt dann die kristalli-sierte Masse etwas an, läßt die Mutterlauge (die man weiterverarbeiten kann) abtropfen, preßt die Kristalle zwischen Fließ-papier ab, löst sie in Wasser, kocht die mit Eiweiß abge-schäumte, filtrierte Lösung mit etwas Kalkwasser zur Faden-probe ein, rührt sie kalt, füllt sie in Formen, und läßt diese inder Wärme stehen; nach einer Woche kann man den Sirup