292 EIN „ANGEWANDTER" CHEMIKER DES 18. JAHRHUNDERTS
braucht nur ein Gemisch aus drei bis vier Teilen Rohkampherund einem Teil zerfallenem Kalk allmählich zu erhitzen, so subli-miert der reine Kampher «in den schönsten, weißesten, glän-zendsten Kristallen".
Das Ameisenöl erkannte Marggraf als ein „echtes Öl",indem es in Wasser unlöslich, in Alkohol aber löslich ist, aufPapier Fettflecken gibt, in der Kälte dick wird und in derHitze verbrennt, Schwefel und Phosphor auflöst, und eine Seifesowie ein Bleipflaster liefert. Neben dem Ameisenöl ist imDestillate der Ameisen eine Säure, die schon 1670 von Wraybeobachtete, aber nicht näher untersuchte Ameisensäure, vor-handen, die mit der Essigsäure nahe verwandt, aber nichtidentisch ist, und durch Ausfrieren der wässerigen Lösungund nachherige wiederholte Destillation rein gewonnen werdenkann. Sie ist eine starke und scharfe Säure, löst die Alkalienund alkalischen Erden sowie deren Karbonate (diese unter Auf-brausen), gibt mit den Alkalien, Ammoniak, und verschiedenenMetallen schön kristallisierte Salze, greift mehrere Metalle, z. B.Eisen und Zink direkt, andere, z. B. Kupfer und Blei, nur inForm ihrer „Kalke" (Oxyde) an, und reduziert Quecksilber-oxyd zu metallischem Quecksilber.
Der Farbstoff des Waids (Isatis tinctoria) ist nach Marg-graf zweifellos mit Indigo identisch, und nur der geringereFarbstoffgehalt des Waidsaftes, sowie dessen zahlreiche sonstigeVerunreinigungen, bewirken es, daß die Anwendung des indischenIndigos zu Färbezwecken in jeder Hinsicht vorteilhafter ist. Aufdem faulenden Waid findet sich zuweilen massenhaft ein kleinerWurm vor, der dessen Saft und mit ihm auch den blauenFarbstoff in sich aufnimmt; die mikroskopische Untersuchungzeigte, daß der Farbstoff in feinen Körnern abgelagert wird,und daß der Wurm in Wahrheit die Larve eines Insektesist, und zwar anscheinend einer Fliegenart, in die er sich nacheinigen Wochen verwandelt. Wenn man die Waidpflanzen vonvornherein gründlich reinigt und mit Wasser abwäscht,