EIN „ANGEWANDTER" CHEMIKER DES 18. JAHRHUNDERTS 287
Berliner „Gesundbrunnens", weil Marggraf bei dieser Gelegen-heit zum Nachweise des Eisens, neben der (schon bei Pliniuserwähnten) Galläpfeltinktur, zum ersten Male die von ihm neuentdeckte Reaktion mit Blutlaugensalz benutzte (sieheunten). — Auch das reinste Regen- und Schneewasser, dasman im Freien in Glasschalen und unter Beobachtung allererdenklichen Vorsichtsmaßregeln gesammelt hat, hinterläßt beimsorgsamen Eindampfen größerer Mengen (100 Quart) in Glas-gefäßen einen gelblichen Rückstand, der u. a. Kalk, Kochsalz,Salpeter und etwas organische Stoffe enthält; da das Regen-wasser selbst beim Stehen an der Sonne bald gärt und fault,das beim Eindampfen überdestillierte Wasser aber nicht, soist offenbar die Gegenwart jener gelöst gewesenenStoffe erforderlich, damit eine Gärung zustande kommenkann. Es läge nahe, zu vermuten, sie seien nur zufällig, etwaals feinster, in der Luft enthaltener Staub, in das ursprünglicheWasser gelangt, schiede nicht auch das reinste Wasser, selbstnach zehn- bis zwölfmaligem Destillieren, immer wieder beimEindampfen einen zarten erdigen Rückstand aus. Da man destomehr von diesem erhält, je länger und je stärker gekocht wird,etwas aber sich auch schon bei langem Stehen in der Sonnen-hitze, ja selbst bei anhaltendem Schütteln absetzt, so möchteman zunächst glauben, seine Quelle sei das Glas der Gefäße;da aber die benutzten Gläser schon mehr als zehn Jahre langSalzsäure und andere „den schlechten Gläsern so gefährlicheSäuren" enthielten, „ohne eine Korrosion zu zeigen", und dasie, selbst mit dem Mikroskope besehen, „weder angefressennoch höckericht waren, sondern glatt und eben", so glaubteMarggraf jene Erklärung verwerfen und eine teilweise Ver-wandlung des Wassers in Erde zugestehen zu müssen. DasIrrtümliche dieser allgemein verbreiteten Ansicht haben bekannt-lich erst Scheele und Lavoisier erwiesen.
Mannigfaltige Untersuchungen widmete Marggraf auchden Metallen, namentlich den Schwermetallen. Durch Vermitt-