288 EIN „ANGEWANDTER" CHEMIKER DES 18. JAHRHUNDERTS
lung des berühmten Mathematikers Euler kam er in den Be-sitz unzweifelhaften echten Platins, das 1753, trotz der strengenspanischen Ausfuhrverbote (die man angeblich wegen Ver-fälschungen von Silber und Gold mittels Platin hatte erlassenmüssen), endlich in größerer Menge nach England durchge-schmuggelt worden war. Das spezifische Gewicht des rohenMetalles bestimmte Marggraf zu 18,5 (also viel zu niedrig);er fand es unschmelzbar und nur im stärksten Glühfeuer etwasschweißbar, dagegen dehnbar und leicht hämmerbar, unlöslichin allen gewöhnlichen Säuren, aber leicht angreifbar durchschmelzende Alkalien, Sulfide und Phosphide, sowie durchPhosphor, Arsen, Blei und andere zum Legieren geneigte Me-talle. In Königswasser löst sich das Platin und beim Erkaltender heißen Flüssigkeit scheidet sich eine braune, undeutlichkristallinische, zerfließliche Masse ab (d. i. Platinchlorid); dieLösung gibt charakteristische Fällungen mit Kalium-und Ammonium-, nicht aber mit Natriumsalzen, undscheidet beim Einbringen metallischen Zinkes ihren Platingehaltwieder ab.
Auch das Gold gibt beim Lösen in Königswasser eineähnliche Verbindung; auf Zusatz von Alkali entsteht ein Nieder-schlag, der in überschüssigen Alkalien unlöslich ist, sich da-gegen leicht in Ammoniak löst, sowie im Salze des mitRinderblut calcinierten Alkalis (d. i. Cyankalium). „Beidiesem Calcinieren von Alkali mit Rinderblut muß ihm ausdem Blute etwas besonderes beitreten, dessen Wesen aber nochzu ermitteln bleibt."
Um die Eigenschaften des Silbers zu erforschen, mußman es erst völlig reinigen, denn auch das gewöhnlich alsrein betrachtete ist dies durchaus nicht. Man erreicht das ambesten, indem man gutes Feinsilber in reiner Salpetersäureauflöst, durch Salzsäure genau ausfällt, den Niederschlag (d. i.Chlorsilber) mit destilliertem Wasser auswäscht, ihn mitAmmoniak digeriert, und die Lösung mit metallischem Queck-