EIN „ANGEWANDTER"- CHEMIKER DES 18. JAHRHUNDERTS 281
verwandeln kann. 4. Durch Glühen von Kaliumnitrat mitKohle entsteht das Alkali der Holzasche (Pottasche), durchGlühen von Natriumnitrat jedoch ein anderes, durchausanaloges, aber doch völlig verschiedenes Alkali, daskeine alkalische Erde, sondern ein wahres und echtesAlkali ist, wenn schon ein schwächeres und nicht so laugen-haft schmeckendes wie das erstere. Es löst sich unter Auf-brausen in Säuren, gibt mit Salzsäure Kochsalz, mit Schwefel-säure Glaubersalz, mit Salpetersäure kubischen Salpeter,mit Phosphorsäure und Ameisensäure kristallisierte Salze, mitEssigsäure ein kristallisiertes, wenig zerfließliches, in Alkohollösliches Azetat, und vereinigt sich mit Weinstein zu Seignette-salz, dessen Natur hierdurch aufgeklärt erscheint; es fällt dieLösungen der alkalischen Erden und vieler Metallsalze, bildetmit Schwefel eine Schwefelleber und mit Kieselsäure ein wahresGlas, reduziert Silber und Quecksilber aus ihren Chloriden,zersetzt den Salmiak, und wird durch Kalk in eine ätzende,verseifend wirkende Lauge übergeführt, die beim Eindampfenein kaustisches Alkali hinterläßt, das anfangs trocken ist,bald aber Wasser und „Luft" (d. i. Kohlensäure) anzieht unddabei zerfließt. Von der Soda sagt Marggraf, »sie steckevoll von diesem alkalischen Teil des gemeinen Salzes", ihrenanderen Bestandteil, die Kohlensäure, hat er jedoch auch hiernicht erkannt.
Aus den angeführten Versuchen schließt jedoch Marggrafnicht nur, daß es bestimmt zwei Alkalien gebe, das Kaliund das neu entdeckte Natron, sondern er zieht auch sogleichweitere wichtige Folgerungen. Da sich Weinstein mittels Kreideund Salpetersäure in Kaliumnitrat, mittels Schwefelsäure in Kalium-sulfat, mittels Salzsäure in Chlorkalium überführen läßt u. s. f., des-gleichen auch die Natronsalze analoger Umwandlungen fähigsind, die zum Teil bei gelinder Wärme, zum Teil sogar in derKälte verlaufen, so ist die von der ganzen wissenschaftlichenWelt als unumstößlich betrachtete Ansicht, die Alkalien bildeten