276 EIN „ANGEWANDTER" CHEMIKER DES 18. JAHRHUNDERTS
in der Rübe bekannt ist, der aber in der Tat einer der viel-seitigsten, an wissenschaftlich denkwürdigen und praktisch be-deutsamen Erfolgen reichsten Forscher gewesen ist, die das18. Jahrhundert auf deutschem Boden hervorbrachte. Auf Lebenund Werke solcher Männer einen Rückblick zu werfen, ist einePflicht der Dankbarkeit und Pietät.
Andreas Siegmund Marggraf 1 wurde am 3. März 1709als Sohn des Hofapothekers Marggraf zu Berlin geboren,und erhielt seine Bildung am Collegium medico-chirurgicum,unter Leitung Prof. Neumanns, eines hervorragenden Schülersdes berühmten Stahl; er vervollständigte seine Kenntnissedurch Studien in Straßburg, Halle und Freiberg, beschäftigtesich in Sachsen und im Harze eingehend mit Bergbau undHüttenkunde, und kehrte 1735 nach Berlin zurück. Schon 1738wurde er daselbst Mitglied der königlichen Gesellschaft derWissenschaften, die ihm 1754 ein Wohnhaus und Laboratoriumeinräumte und ihn 1760 zum Direktor ihrer physikalisch-mathe-matischen Klasse wählte. Nach außen wenig hervortretend,den erbitterten Streitigkeiten und persönlichen Eifersüchteleiender damaligen gelehrten Gesellschaft Berlins völlig fernebleibend,lebte der bescheidene und selbstlose Mann jahrzehntelang aus-schließlich der Wissenschaft und seinen Schülern, unter denennamentlich Achard zu nennen ist, dessen Tatkraft und Energieder wichtigsten Entdeckung seines Lehrers später zur erstenpraktischen Durchführung verhalf; allmählich wurde MarggrafsNamen in ganz Europa bekannt, seine Abhandlungen erschienenin französischer und englischer Übersetzung, die Pariser Aka-demie ernannte ihn zum ,/Associe etranger", und auch dergroße König, Friedrich II., nahm nachweislich lebhaften per-sönlichen Anteil an seinen Forschungen. Trotz zarter Gesund-
1 C. Scheibler, „Aktenstücke zur Geschichte der Rübenzuckerfabrikationin Deutschland" (Berlin 1875); A. W. Hofmann, „Chemische Erinnerungenaus der Berliner Vergangenheit" (Berlin 1882); „Allgemeine deutsche Bio-graphie", Bd. 20, S. 334 (München 1884).