272 KURZER ABRISS DER GESCHICHTE DES ZUCKERS
nationsverfahrens kamen erst nach 1750 auf. Hierher sind zuzählen: das Eindicken der Zuckerlösung in flacher Schicht, dieEinführung von Klärpfannen mit Doppelböden oder Schlangen,das Kochen mit Dampf (anstatt über freiem Feuer), das Bläuendes Zuckers mit Indigo, und der Gebrauch kupferner undmessingner Saftpumpen (an Stelle der Arbeit mit dem Schöpf-löffel). Erst nach 1800 wurde die Dampfkraft in einer eng-lischen Raffinerie zuerst nutzbar gemacht, und 1813 erfandHoward das Kochen mit Dampf im luftleeren Räume; inFrankreich empfahl Dubrunfaut das Decken der Brote mitDeckkläre statt mit feuchtem Ton, und erdachte 1819 den so-genannten Saftheber oder Montejus; ebendaselbst entdeckten
1812 zwei Apotheker bei der Bereitung einer Stiefelwichse zu-fällig die entfärbende Kraft der Knochenkohle, die dann schon
1813 ihre erste Anwendung im Großen in einer Zuckerraffineriezu Orleans fand.
Die Erzeugung von Rohrzucker in Spanien, Sizilien, undanderen Gegenden Südeuropas hörte im 18. Jahrhunderte ganzauf, und ebenso verfiel der Anbau des Zuckerrohres in Nord-afrika und auf den westafrikanischen Inseln, da man im Wett-bewerbe mit dem viel billigeren amerikanischen Zucker nirgendsSchritt zu halten vermochte. Der Rohzucker Ostindiens wurdedagegen in Europa erst nach 1800 von Wichtigkeit, als durchdie napoleonischen Kriege und ihre Folgen alle gewohntenHandelsbeziehungen gestört, und zahlreiche Handelsverbindungenvollständig abgeschnitten waren. — Als gemäß der von Na-poleon I. verhängten sogenannten „Kontinentalsperre" englischeSchiffe in den Häfen des europäischen Festlandes nicht ein-laufen durften, und daher bald die Preise aller überseeischenWaren eine unerhörte Höhe erlangten, begann man in Europanach Ersatzmitteln für den amerikanischen Zucker zu suchen.Von diesen erlangte allein der Zucker aus Zuckerrüben Be-deutung; daß die Rüben den nämlichen Zucker wie das Zucker-rohr enthalten, entdeckte schon 1747 Marggraf in Berlin, aber