270 KURZER ABRISS DER GESCHICHTE DES ZUCKERS
dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) aufgehört hatte, einMarkt von Bedeutung zu sein: durch diesen Verfall Deutsch-lands wurde auch jener Venedigs bedingt, und da gleichzeitigauch der Niedergang Spaniens und Portugals erfolgte, sowandte sich der Welthandel nunmehr Holland, England, undFrankreich zu, die ihn durch kluge Gesetzgebung und weiseVerwaltungsmaßregeln festzuhalten und zu fördern wußten.In dem reichen England betrug der Zuckerverbrauch schongegen das Jahr 1700 jährlich über 100000 metrische Zentner,1750 erreichte er schon 800000, und 1800 l 1 ^ Millionen metrischeZentner. In Deutschland wurde Hamburg der Hauptsitz derZuckerraffination, und die Hamburger Zucker vermochten dieholländischen seit etwa 1700 in steigendem Maße auf vielennördlichen Märkten zu verdrängen. In Preußen versuchte dergroße Kurfürst 1686 die Zuckerraffination einzuführen, jedochohne dauernden Erfolg, der vielmehr erst 1750 den auf Ver-anlassung Friedrichs des Großen begründeten Zucker-siedereien zu teil wurde.
Der Zuckerverbrauch ganz Europas betrug um 1730 etwa750000, um 1750 etwa 1250000, und um 1800 2 bis 2'/ 2 Mil-lionen metrische Zentner. Derartige Mengen wären unmöglichmit Hilfe der alten Verwendungsarten des Zuckers (zu Zweckendes feineren Tafelgenusses und der Arzneikunde) unterzubringengewesen; seit 1650 etwa entstanden aber dem Zuckerverbraucheganz neue mächtige Förderer, die ihm, durch völlige Um-wandlung der täglichen Gewohnheiten und Sitten fast allerVölker, binnen kurzem die weitesten Kreise erschlossen: derKaffee, der Tee, und die Schokolade waren es, deren Genuß,indem er sich mit überraschender Schnelligkeit allerorten ver-breitete und einbürgerte, zugleich auch dem Zucker allgemeinemassenweise Anwendung sicherte. Die Bereitung der Schoko-lade aus den Früchten des Kakaobaumes erlernten die Spanier,als sie 1519 Mexiko eroberten, und brachten sie 1520 nachEuropa, wo sie sich zunächst in Spanien, Italien, und Frank-