Im 17. und 18. Jahrhunderte nahm die ZuckerfabrikationAmerikas einen immer größeren Aufschwung, sowohl in Bra-silien als auch auf den westindischen Inseln, die seit 1625 vonden Franzosen und Engländern in Besitz genommen wurden.Während die den Spaniern gehörigen Länder, infolge derschlechten Verwaltung, mit der Zeit vollständig verarmten,erlangten die Niederlassungen Englands und Frankreichs rascheine stets wachsende Bedeutung. Die wichtigste war Domingooder Haiti, von den Franzosen auch „die Zuckerinsel" ge-nannt, deren jährliche Erzeugung gegen Ende des 18. Jahr-hunderts bis auf etwa 800000 metrische Zentner angewachsenwar; durch einen schrecklichen Aufstand wurde jedoch 1791die ganze Insel vollständig verwüstet und ihr Wohlstand dauerndvernichtet.
Über die ältere, in Westindien übliche Arbeitsweise derZuckerfabriken berichten verschiedene Werke, von denen das1722 verfaßte des Predigermönches Labat das ausführlichsteist. Er beschreibt die Wasser- und Windmühlen zum Aus-pressen des Zuckerrohres, die kupfernen Klär- und Kochkesselzur Darstellung des Rohzuckers, und die Raffination des letzterendurch Decken mit feuchter Tonerde; die feinste Raffinade (densogenannten Königszucker), in Gestalt schneeweißer marmor-schwerer Hüte von zwei bis drei Kilo Gewicht, gewann mandurch wiederholtes Auflösen und Läutern gewöhnlicher guterRaffinade, erhielt jedoch aus 100 Teilen dieses Rohstoffeshöchstens 45 Teile Königszucker. Eine mittelgroße Rohzucker-fabrik baute jährlich 40 bis 45 Stücke Feld, jedes von etwa30 m Länge und Breite, mit Zuckerrohr an, lieferte binnen30 Wochen 6000 bis 6500 Formen Rohzucker-Füllmasse (alsotäglich etwa nur 35!), und erzeugte im ganzen etwa 1200metrische Zentner Rohzucker.
Der fast ausschließliche Absatzmarkt des amerikanischenZuckers war Europa, woselbst jedoch Deutschland infolge seinerschrecklichen Verwüstung durch die beispiellosen Greuel des
KURZER ABRISS DER GESCHICHTE DES ZUCKERS