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KURZER ABRISS DER GESCHICHTE DES ZUCKERS
hin in Armut und Verderben stürzten. Eine Folge hiervonwar es, daß auch der Verkehr der Seestädte, besonders Venedigs,auf das Schwerste geschädigt wurde, um so mehr, als gleich-zeitig die Entdeckung des Seeweges nach Ostindien (1498),sowie die Entdeckung Amerikas (1492) dem Handel überhauptgänzlich neue Bahnen wiesen.
Kolumbus hatte schon auf seiner zweiten Reise (1493)Zuckerrohr nach der westindischen Insel Domingo mitgenommen,aber erst um 1515 begann daselbst sein planmäßiger Anbau,sowie der Großbetrieb des neuen Erwerbszweiges, der baldweite Ausdehnung erfuhr, und leider zu einer der traurigstenErscheinungen der menschlichen Geschichte, nämlich zu demabscheulichen Negerhandel, die Veranlassung gab. Aus Domingokam das Zuckerrohr nach Kuba, Mexiko, und Brasilien, undsein Anbau machte allenthalben so rasche Fortschritte, daß derZucker kaum 100 Jahre nach der Entdeckung Amerikas schoneiner der wichtigsten und kostbarsten Ausfuhrgegenstände derneuen Welt geworden war; der Handel mit Zucker beschäftigtedie Flotten der europäischen Mutterstaaten und brachte dengroßen Seestädten, vor allem Lissabon und Antwerpen, großeReichtümer. Da das Zuckerrohr in den heißen Ländern Amerikasweit besser gedieh und daselbst viel mehr und viel besseren Zuckerergab, als früher in den Küstenländern des Mittelmeeres, so wurdeder Zucker allmählich auch billiger, und seine Anwendung ver-breitete sich hierdurch immer mehr, besonders in Frankreich, Eng-land, den Niederlanden, und Deutschland. In den drei letzterenStaaten begann man auch Rohzucker auf dem Seewege zu beziehenund ihn selbst zu raffinieren; in Deutschland z. B. gab es schon1573 eine Zuckerraffinerie in Augsburg, 1597 eine in Dresden, undvermutlich bestanden solche auch in Hamburg, Nürnberg, undeinigen anderen Städten. Die Werke der Schriftsteller jener Zeitenthalten ausführliche Nachrichten über Zuckerrohr und Zucker-erzeugung, sowie über den Zuckerverbrauch teils zu Genuß-zwecken, teils zur Darstellung unzähliger geschätzter Heilmittel.
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