KURZER ABRISS DER GESCHICHTE DES ZUCKERS
267
zwanzig Teile raffinierter erhalten wurden. Von Hut- undKristallzucker gab es zahlreiche Arten von verschiedener Güte,die nach allen Teilen Europas ausgeführt wurden und unterden Handelswaren der Seestädte eine hervorragende Rollespielten. In erster Reihe stand hierin Venedig, von wo ausseit etwa 1300 auch eine lebhafte Schiffahrtsverbindung mitden Niederlanden und mit England begonnen hatte; die Un-kosten dieses Handels waren natürlich außerordentlich hochund betrugen oft das Vielfache vom ganzen Werte der Ware.In Frankreich nahm der Verbrauch an Zucker seit 1300 gleich-falls immer mehr zu, und ebenso gelangte (hauptsächlich vonVenedig aus) auch viel Zucker nach Deutschland, wo er währenddes 14. und 15. Jahrhundertes in vornehmeren Haushaltungenschon ziemlich verbreitet war; ein Beweis hierfür ist z. B.ein um 1300 in Süddeutschland verfaßtes Kochbuch, das denZucker zur Bereitung zahlreicher Gerichte zu benützen vor-schreibt. Viel Zucker wurde auch in den Apotheken ver-wendet, wie dies aus den Apothekenordnungen hervorgeht, vondenen jene Kaiser Karls IV. (um 1350) eine der ältesten ist.
In Sizilien und Spanien erhielt sich die Zuckererzeugungin stets fortdauernder Blüte. Von Sizilien aus ließ der portu-giesische Prinz Heinrich der Seefahrer im Jahre 1420 dasZuckerrohr nach den neuentdeckten kanarischen Inseln, sowienach den Inseln Madeira und St. Thomas bringen; auf derenherrlichem Boden gedieh das Zuckerrohr in der üppigstenWeise, und bald erschien Zucker in noch nie gesehener Mengein den Häfen Südeuropas, wohin ihn die portugiesischen Schiffein ganzen Ladungen brachten. Während sich aber diese neueQuellen erschlossen, wurden zugleich die alten Erzeugungs-stätten des Zuckers in der kurzen Zeit von kaum fünfzig Jahrenso gut wie gänzlich vernichtet, indem gegen 1500 die TürkenSyrien, Cypern und Ägypten eroberten und, durch sinnlosevöllige Zerstörung alles Bestehenden, Handel und Wandel da-selbst gänzlich vernichteten, und diese Länder auf Jahrhunderte