264 KURZER ABRISS DER GESCHICHTE DES ZUCKERS
anderen Gewächse, woraus man schließen kann, daß um dieseZeit jene Anpflanzung schon in größerem Maße betriebenworden sein muß. Die Araber, die Landwirtschaft und Handelder von ihnen eroberten Länder stets in hohem Grade förderten,erkannten sogleich auch den hohen Wert dieser ihnen ganzneuen Nutzpflanze, deren Pflege und Verwertung sie binnenetwa hundert Jahren zur wichtigsten Aufgabe der Landwirt-schaft Persiens und zur Grundlage eines mit erstaunlicherSchnelligkeit sich entwickelnden Großgewerbes gestalteten. DasAuspressen des Zuckerrohres geschah mittels mächtiger Stein-walzen, die durch Wasserräder oder durch Wassermühlen ge-trieben wurden. Auf die Benützung solcher Hilfsmittel warenbereits besondere Steuern gelegt, und ebenso wurden die Ab-gaben der einzelnen Länder und Kreise häufig auch in Gestaltdes fertigen Erzeugnisses, also des rohen Zuckers, eingehoben.Auf solche Weise hatten z. B. um das Jahr 800 n. Chr. einzelneBezirke jährlich 20000, 30000, ja auch 50000 Pfund Zuckerabzuliefern. Dieser wurde größtenteils am Hofe der arabischenHerrscher (Kalifen) bei Gastmählern und Festlichkeiten ver-braucht, ja oft geradezu verschwendet; aber auch in der Heil-kunde spielte er eine außerordentlich wichtige Rolle, wie diesaus den zahlreichen Schriften arabischer Ärzte jener Zeit in aus-führlicher Weise zu entnehmen ist.
Aus Persien brachten die Araber das Zuckerrohr in ver-schiedene andere, von ihnen eroberte Länder, vor allem nachÄgypten. In diesem Lande, dessen Bewohner sich seit vielenJahrhunderten mit Chemie und chemischen Arbeiten beschäftigthatten, wurde namentlich die Kunst der Zuckerraffination außer-ordentlich vervollkommnet: man erfand daselbst die Reinigungder Zuckersäfte mittels Kalk und Pflanzenasche, die Trennungdes festen Zuckers vom flüssigen Sirup durch Ablaufenlassenund Decken, sowie die Darstellung des kristallisierten Kandis-zuckers. Schon gegen 750 n. Chr. war das fruchtbarste Landin Ägypten fast überall mit Zuckerrohr bebaut, und die Ver-