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[1] (1906)
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263
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KURZER ABRISS DER GESCHICHTE DES ZUCKERS 263

große Mengen kostbarer indischer Waren erbeutet, darunterSeide, Baumwollkleider, Seidenstoffe, gestickte Tapeten, Pfeffer,Ingwer, Aloe und Zucker. Daß letzterer unter den Schätzendes persischen Königs genannt wird, beweist, daß er damalsnoch eine große Seltenheit war.

Aus Indien wurde das Zuckerrohr gegen 500 n. Chr.nach Persien gebracht und, wie es scheint, zuerst in der StadtGondisapür, die an der Mündung des Euphrat in den persischenMeerbusen lag, angebaut. Daselbst befand sich nämlich einechristliche Gemeinde und eine Klosterschule, deren Gelehrtesich hauptsächlich mit der Pflege der Arzneikunde befaßten;diese Schule stand in steter Verbindung mit Indien, auch empfingsie oft den Besuch indischer Ärzte, und das bei diesen so hochgeschätzte Zuckerrohr gelangte wahrscheinlich durch solche Ver-mittlung zuerst nach Persien. Diente auch sein Anbau anfangslediglich Zwecken der Medizin, so fand er doch sehr bald auchweitere Ausdehnung. Die Kunst der Darstellung festen Roh-zuckers gelangte wohl etwas später als das Rohr selbst vonIndien nach Persien, und wurde dort, vermutlich ebenfalls vonden Gelehrten zu Gondisapür, gepflegt und verbessert. Vorallem gelang es diesen, zuerst völlig reinen, wirklich weißenZucker, unserer heutigen Raffinade ähnlich, darzustellen, densieTabarsad" nannten, d. h.Axt-gehauen", weil er fest undhart genug war, um durch Zerschlagen mit dem Beile zer-kleinert werden zu können, ja zu müssen. Die Reinigung desrohen Zuckers erfolgte hierbei durch wiederholtes Auflösen,Klären mit Milch, Abschäumen und Einkochen. In Persienwurde also die Raffination des Zuckers erfunden; aber auchdie Verwendung der sogenannten Zuckerhutform zur Ge-staltung des Zuckers ist nachweislich eine in Persien gemachteErfindung.

Als die Araber um 640 n. Chr. das persische Reich er-oberten, wurde der Anbau des Zuckerrohres sogleich mit einerSteuer belegt, die höher war, als die auf den Anbau aller