262 KURZER ABRISS DER GESCHICHTE DES ZUCKERS
angeben. Aus gewissen chinesischen Schriften kann man aberschließen, daß die Erfindung des festen Rohzuckers in die Zeitzwischen 300 und 600 n. Chr. fällt. Über das Verfahren beiseiner Darstellung weiß man nur wenig; man kochte den ausdem Rohre gewonnenen Saft in flachen Tonpfannen überfreiem Feuer ein, und preßte die erkaltete sirupreiche Massein Säcken oder Matten mittels Steinen und Gewichten aus.Auf diese Weise erhielt man braunen rohen Zucker, den manzu flachen Kuchen oder zu kleinen Kugeln formte; zuweilenreinigte man diesen noch weiter, entweder durch Bespritzenmit Wasser und abermaliges Abpressen, oder durch Auflösen,Filtrieren durch Tücher, Abschäumen und Einkochen. DurchTrocknen in der Sonne erhielt man so schließlich einen ge-bleichten, gelblichen, noch feuchten, mehlförmigen Zucker. Roh-zucker und Sirup, in den verschiedensten Formen der Zube-reitung, spielten in den Sitten und Gebräuchen der alten Indiereine große Rolle, z. B. bei Geburten, Hochzeiten, Begräbnissenund Opfern. Sehr ausgebreitet war auch ihre Anwendung inder Medizin, über die wir viele ausführliche Werke indischenUrsprunges besitzen.
In Europa erlangte man die erste Kunde vom Zucker-rohre zur Zeit des Feldzuges Alexander des Großen nachIndien, 327 v. Chr.; es wurde damals berichtet, daß »ein inIndien wachsendes merkwürdiges Schilfrohr eine Art Honighervorbringe, ohne Beihilfe von Bienen." Über diese Kenntnishinaus ist man aber beinahe ein Jahrtausend hindurch nichtgelangt, was nicht Wunder nehmen kann, wenn man die un-geheure Entfernung Indiens, sowie die unglaublichen Schwierig-keiten des Verkehres dahin in jenen alten Zeiten bedenkt. Be-sonders ist aber zu erwähnen, daß man den festen Zuckererst sehr spät kennen lernte; seine erste sichere Erwähnungfindet sich erst im Jahre 627 n. Chr., als der Kaiser Herakliusvon Konstantinopel in einem Kriege das Sommerschloß desdamaligen Königs von Persien zerstörte. Es wurden hierbei