VERBRENNUNG EINER UHRFEDER IN SA UERSTOFFGAS 253
er seine einschlägigen Experimente 1 und schreibt u. a.: »Ichbrannte in dieser Luft (im Sauerstoff) verschiedene Körper;unter allen den Substanzen aber, die ich so versuchte, gibt eskeine, die dem Auge ein so prächtiges Schauspiel wären, alsKamphor, Kunkels Phosphor, besonders Eisen oder Stahl".Die Verbrennung des Phosphors führte er, seiner Angabegemäß, 2 zuerst 1780 aus; betreff jener des Eisens ist ein Hin-weis wichtig, den mir Hofrat Prof. Dr. J. Wiesner brieflichzu geben so freundlich war: in der ersten Auflage der „Ver-mischten Schriften", die 1782 in Wien erschien, sagt nämlichIngen-Housz auf S. 347 bei Beschreibung dieses Versuches,„er habe ihn schon vor vielen Jahren seinen Freunden ge-zeigt", so daß hiernach die Tatsache, daß Lichtenberg ihnim Frühjahr 1782 kannte oder kennen lernte, leicht erklärlichwird. Jedenfalls nimmt also Ingen-Housz jene Experimentehier ausdrücklich für sich selbst in Anspruch, und dazustimmt auch der Ausspruch Lavoisiers „tout le monde connoitaujourd'hui la belle experience de M. Ingenhouz sur la com-bustion du fer"; Lavoisier redet hier als von etwas zu seinerZeit allgemein bekanntem, und in der Tat hat auch, so vielman weiß, kein anderer Chemiker oder Physiker Ingen-Housz diese Priorität streitig gemacht oder den Ruhm jenerglänzenden und von allen Autoren so hochgepriesenen Ver-suche sich zuzueignen versucht, während es doch im übrigen,wie Wiesner des näheren ausführt, Ingen-Housz an hämischenNachtretern und bösartigen Neidern nicht fehlte.
So lange daher niemand den positiven Nachweis erbringt, daßIngen-Housz, sonst ein Mann von anerkannt seltener Ehrlichkeitund Wahrheitsliebe, in diesem Falle fremde Verdienste zu Un-recht sich selbst zuschrieb, so lange ferner nicht festgestellt ist, daßund worin Lavoisier geirrt hat, kann meines Erachtens die Ur-heberschaft des Ingen-Housz nicht wohl bestritten werden.
1 „Vermischte Schriften", 2. Aufl., Wien 1784, I, S. 203 und II, S. 355.Bei Wiesner, S. 194 und 197. 2 Bei Wiesner, S. 194.