Sechste Abteilung
ZUR GESCHICHTE DES WISMUTS 1
as »Germanische Museum" zu Nürnberg enthält inseiner herrlichen Sammlung mittelalterlicher Truhen,Laden, Koffer und dergl. auch eine Anzahl sehrschöner Kästchen verschiedener Größe, zu derenVerzierung eine eigentümliche, als »Wismutmalerei" bezeich-nete Technik diente. Wie dem Abschnitte 8 der Abhandlung„Die Holzmöbel des Germanischen Museums" von Dr. H. Steg-mann 2 zu entnehmen ist, erfolgte die Herstellung dieser Malereiauf nachstehende Weise: Auf dünnen Kreidegrund, den üb-lichen Malgrund, wurde eine dünne Schicht gepulverten Wis-muts aufgetragen und mittels des Poliersteines so geglättet,daß eine metallisch glänzende Oberfläche entstand; sodanntrug man auf diese die gewöhnlich in lebhaften Farben ge-haltene Malerei auf und überzog das Ganze mit Firnis. —Wie die stattliche Reihe der vielfach noch im charakteristischenMetalllüster prangenden sogenannten „Wismutkästchen" zeigt,deren Entstehung in die Zeit vom endenden 15. bis 18. Jahr-hundert fällt, vermag die eigentliche Bemalung zu keiner FristAnspruch auf Kunstwert zu erheben, sondern ist das offenbarganz handwerksmäßige Produkt sehr bedeutender, ihrem Wesennach aber rein mechanischer Treffsicherheit. Schon im Anfangedes 17. Jahrhundertes begann übrigens der Verfall dieser Technik,
1 „Chemiker-Zeitung" 1905, S. 719. 2 „Anzeiger des GermanischenMuseums" 1905, S. 18.