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GOETHE'S FARBENLEHRE
Dieses Bewußtsein darf indes nicht in dem Sinne auf-gefaßt werden, als hätte Goethe jemals seine Farbenlehre füretwas Abgeschlossenes, etwas endgültig Vollendetes gehalten;bis in die letzten Jahre, ja Monate seines Lebens blieb er viel-mehr fortwährend bemüht, sie tiefer zu begründen, weiter zuentwickeln, und mit den Fortschritten der Wissenschaft inrichtigen Einklang zu setzen. Der Nachlaß weist daher eineununterbrochene Kette zahlreicher, teils abgeschlossener, teilsnur skizzierter oder flüchtig hingeworfener Aufsätze, Nachträgeund Bruchstücke zur Theorie der Farbenlehre auf, und bis zumEnde seines Daseins erfüllte den Dichter das Bestreben, seinWerk zu vervollkommnen und den höchsten Ansprüchen ge-mäß auszugestalten. Führt man aber im Hinblicke hierauf dasWort aus dem ersten Teile des ,Faust' an: „Es irrt der Mensch,so lang er strebt", so mag man stets auch die Ergänzung imSinne behalten, die dieser Spruch im zweiten Teile findet, dadie Engel Faustens Unsterbliches gen Himmel tragen mit denWorten: „Wer immer strebend sich bemüht, Den können wirerlösen".