GOETHE'S FARBENLEHRE
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Lebzeiten nichts über diese Unterredung erzählen oder gardrucken lassen! 1 Unter solchen Umständen konnte es Goethenur wenig Genugtuung bieten, daß doch an einer Universität,Berlin, Henning seit 1822 über seine Farbenlehre las, unddieses Kollegium einige Jahre lang vor leeren Bänken fort-setzte. 2 Die Physiker waren und blieben eben völlig teil-nahmslos und hegten schon damals die Ansicht, die Tyndallnoch 60 Jahre später mit den Worten aussprach: 3 „GoethesMethoden sind der Physik und der physikalischen Forschungvöllig fremd".
In Anbetracht solcher Verhältnisse kann es nicht Wundernehmen, daß Goethe, von der Richtigkeit seiner Theoriendurchaus erfüllt, und die schwachen Seiten derselben kaumwahrnehmend, mit hoher und steigender Befriedigung auf dieGesamtschöpfung seiner Farbenlehre zurückblickte, wie diesaus so manchen bemerkenswerten und oft befremdlichen Äußer-ungen noch seiner letzten Lebensjahre hervorgeht. So z. B.spricht er sich aus: „Ich allein bin auf der Erde, der in dieserSache sagen kann, ich habe die Wahrheit" (1822); 4 „Darf ichnicht stolz sein, daß ich unter Millionen der einzige bin, derin diesem großen Naturgegenstande allein das Rechte weiß?"(1823); 5 „In der Farbenlehre steckt die Mühe eines halbenLebens; ich hätte vielleicht ein halbes Dutzend Trauerspielemehr geschrieben, das ist alles, und dazu werden sich nochLeute genug finden" (1827); 6 „Auf alles, was ich als Poet ge-leistet habe, bilde ich mir gar nichts ein; daß ich aber in
meinem Jahrhunderte in der schwierigen Wissenschaft derFarbenlehre der Einzige bin, der das Rechte weiß, darauf tueich mir etwas zu gute, und ich habe daher ein Bewußtsein derSuperiorität über Viele" (1829). 7
7 So berichtet Schopenhauer, „Sämtliche Werke", Bd. I. Vorredezur „Farbenlehre", S. 12. 2 „Goethe-Jahrbuch", Bd. XVI, S. 77. „Natur-wissenschaftliche Korrespondenz", Bd. I, S. 185. 3 „Goethe-Jahrbuch",Bd. III, S. 414. 4 „Gespräche", Bd. IV, S. 189. 6 Ebenda, Bd. IV, S. 338.B Ebenda, Bd. VI, S. 56. ' Ebenda, Bd. VII, S. 34.