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[1] (1906)
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GOETHE 1 S FARBENLEHRE

aufrichtiges Bemühen in den Sinn seiner Arbeiten einzudringen,fand Ooethe fast allein bei seinen mehr oder minder laien-haften Freunden: bei dem hochgebildeten, rastlos nach Wissenaller Art strebenden Herzog Karl August nebst seinem Familien-kreise, bei Schiller, 1 Schelling und Hegel, 3 beim StaatsrateSchultz, 3 beim Physiologen Johannes Müller, 4 beim Schrift-steller Zschokke, 5 bei seinem treuen Famulus Eckermann, 6und endlich bei Schopenhauer, 7 dessen Umdeutungen undErweiterungen seiner optischen Theorien er schon keineswegsmit Beifall aufnahm. Völlig abweisend verhielten sich hingegendie Physiker von Fach, z. B. Schweigger und Döbereiner, 8sowie Lichtenberg; 9 Purkinje verschmähte sogar nicht, zumPlagiator an Goethe zu werden, und führte später, als manihm dies vorwarf, zu seiner Entschuldigung ganz offen an, erhabe gefürchtet, sich durch Nennung desDichters" Goethebei seinen Fachgenossen zu schaden; 10 Seebeck endlich, dermit Goethe lange Zeit in persönlichem Verkehre und in regemBriefwechsel stand und sich von ihm als ,, vieljähriger Freundund Mitarbeiter" begrüßen ließ, 11 erklärte noch 1830, als ihn,den Entdecker der Thermoelektrizität, der damals für den be-deutendsten Physiker Deutschlands galt, jemand über GoethesFarbenlehre befragte:daß zwar allerdings Goethe in vielemim Rechte und Newton im Unrechte sei, daß ihm aber, inseiner Stellung als öffentlicher Lehrer und Akademiker, un-möglich die Verpflichtung obliegen könne, dieses der wider-strebenden Mehrheit der Fachgenossen klar zu machen." Undauch das sprach Seebeck erst aus, nachdem er sich von demFragesteller das Wort hatte geben lassen/er werde bei seinen

1Goethe-Jahrbuch", Bd. II, S. 169. 2 Ebenda, Bd. II, S. 217.

Bd. XII, S. 166. Bd. XVI, S. 62 ff. 3 Ebenda, Bd. XII, S. 165.

4Naturwissenschaftliche Korrespondenz", Bd. I, S. 393.

6 Ebenda, Bd. II, S. 195. 6Gespräche", Bd. VII, S. 32. Bd. VIII,S. 26. 7Goethe-Jahrbuch", Bd. IX, S. 50. 8 Ebenda, Bd. XII,

S. 170 ff. 9 Ebenda, Bd. XVIII, S. 46. 10Gespräche", Bd. IV,

S. 84 und 337. 11Goethe-Jahrbuch", Bd. XII, S. 154.