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[1] (1906)
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GOETHE'S FARBENLEHRE

sagt Goethe gelegentlich einer Unterredung. 1 Schon seinSchüler Schopenhauer 2 hat aber mit Recht darauf hin-gewiesen, daß das Urphänomen, als »objektive Tatsache" weniggeeignet erscheine, zur obersten Grundlage der ganzen Lehreim Sinne der von Goethe gewünschten Theorie zu dienen;er machte darauf aufmerksam, wie infolgedessen Goethe garoft bloß beschreibe, wo er zu erklären glaube, und in derRegel nur zeige, wie Farben entstehen, nicht aber was sie sind.In letzterer Hinsicht kann man jedoch einen, die Resultateunserer heutigen Wissenschaft mit Kühnheit vorausnehmendenSatz Goethes anführen: »die Farben sind Erscheinungsweisendesselben Wesens, das sich bald als Elektrizität, bald als Magne-tismus, bald als Chemismus zeigt". 3

Ein fernerer Lichtpunkt ist die zentrale Stellung, dieGoethe den physiologischen Farben zuweist, sowie der Er-forschung der physiologischen und pathologischen Phänomene;im einzelnen aber führt ihn hier die Voraussetzung einfacherBeziehungen zwischen Farbenempfindung und Reiz häufig indie Irre.

In physikalischer Hinsicht ist vor allem das stete Zurück-gehen Goethes auf das Experiment und die Beobachtung zupreisen. Richtige Versuchsanstellungen und richtige Verall-gemeinerungen ließen ihm hier die zutreffende Erklärung derHimmelsbläue sowie der Dämmerungsfarben gelingen. Beivielen weiteren Bestrebungen hemmte ihn aber in mannig-facher Weise der von ihm selbst schmerzlich empfundeneMangel an mathematischer Einsicht; 4 seiner Theorie fehlt esdaher durchaus an quantitativer Bestimmtheit, ja sie ist sogareiner mathematischen Behandlung gar nicht fähig. Helm-holtz hat mit Recht hervorgehoben, 5 daß sich auf keine Weise

1Gespräche", Bd. X, S. 97. 2Sämtliche Werke", Bd. I, S. 2.

Bd. VI, S. 193. 8Gespräche", Bd. II, S. 120. 4Naturwissen-

schaftliche Korrespondenz", Bd. II, S. 8. 6Vorträge und Reden"

(Braunschweig 1896), Bd. I, S. 23. Bd. II, S. 355.